Verhaltenstraining

Verhaltenstraining

Das Vorgehen nach lerntheoretischen und verhaltensorientierten Prinzipien hat sich als bewährte Behandlungsmethode bei Autisten durchgesetzt, da bei der Anwendung dieser verhaltenstherapeutischen Ansätzen große Erfolge zu verzeichnen sind. In diesem Zusammenhang sind die Namen Lovaas, welcher 1974 begann verhaltenstherapeutische Methoden bei autistischen Kindern anzuwenden und Schopler, welcher das TEACCH- Programm entwickelte, zu erwähnen.

"Das TEACCH- Programm beruht auf der Erkenntnis, daß gut strukturierte pädagogische Programme bei autistischen Kindern wirkungsvoll sind. Das Programm hat eine verhaltenstherapeutische Basis, trägt dem Entwicklungsniveau der Kinder Rechnung und hebt die Bedeutung des individuellen Lehrens und Lernens hervor, ebenso wie die Einbeziehung anderer Verhaltens- und kognitiven Zuggänge." (Remschmidt, 2000, S. 79)

Als Basis muss anhand einer umfangreichen Diagnostik des Verhaltens ein Therapieplan, der die Bereiche und Methoden zur Veränderung des Verhaltens definiert, erstellt werden. Wichtige Inhalte sind die Förderung der Selbständigkeit und der allgemeinen Kommunikationsfähigkeit mit dem Ziel das Sozialverhalten zu verbessern. Dies geschieht in dem störendes Verhalten (Stereotypen, Selbststimulationen) ab- und erwünschtes Verhalten (Kommunikation) aufgebaut wird. Die verhaltenstherapeutische Methode orientiert sich an den 3 lerntheoretischen Prinzipien: das klassische und operante Konditionieren, sowie das Modellernen. Man geht also davon aus, daß sich Verhalten durch allgemeine Gesetzmäßigkeiten voraussagen lassen. Das methodische Vorgehen der Verhaltenstherapie basiert auf dem Prinzip des operanten Konditionierens. Demnach wird ein Verhalten dem eine positive Konsequenz folgt verstärkt und tritt häufiger demnach auf. Verhalten dem eine negative Konsequenz folgt wird hingegen abgeschwächt. Während des Verhaltenstrainings wird nun mit Belohnung gearbeitet, also jedes erwünschte Verhalten, wie z.B. die Kontaktaufnahme zu einem anderen Kind wird positiv verstärkt und somit gefördert. Auf diese Weise lassen sich z.B. bei geistig behinderte Autisten Handlungen der Selbständigkeit (An- und Ausziehen, Zähneputzen, etc.), welche für das alltägliche Leben nötig sind, aufbauen. Das Lernen sollte in kleinen Schritten erfolgen und auch kleinste Fortschritte belohnt werden. Wichtig dabei ist immer die Bedürfnisse des Kindes zu beachten und diese in die Belohnung mit einzubeziehen. Verhaltensweisen werde immer denn verstärkt, wenn sie dem Zielverhalten am nächsten sind, ansonsten werden sie ignoriert und somit gelöscht. Bei (unerwünschtem) Verhalten, bei dem sich das Kind selbst schädigt, z.B. wenn es mit dem Kopf gegen die Wand schlägt, kann es sinnvoll sein Strafen, z.B. das Wegnehmen eines geliebten Spielzeugs, einzusetzen. Jedoch sollte die Anwendung von Strafe eine Ausnahme darstellen, da sonst das Ziel zwischenmenschliches Vertrauen aufzubauen unterbunden wird. Die anfänglichen Hilfestellungen sollten immer weiter zurückgenommen werden bis das autistische Kind selbständig in der Lage ist, die Situation zu bewältigen. Die autistischen Kinder und Jugendlichen dürfen jedoch nicht ihrem eigenen Entwicklungsgang überlassen werden, da sie sich sonst in ihren stereotypen Gewohnheiten verlieren und weniger aktivierbar sind. Sie müssen also konsequent an bestimmte Aufgaben herangeführt werden. Eine ausschlaggebende Rolle für den Erfolg jeder Therapie spielen die Eltern, welche stark in das Training eingebunden werden. Dies hat den Vorteil, daß wichtige Behandlungschritte zu Hause fortgesetzt werden und das Kind auch in seiner häuslichen Umgebung bestärkt wird, die erlernten Fertigkeiten auszuüben. Als Problem stellt sich immer wieder die Generalisierung dar, daß heißt daß das Gelernte nicht auf neue Situationen übertragen werden kann.

Über die Autorin/den Autor
Alexandra May ist Diplom-Sozialarbeiterin/Sozialpädagogin (FH). Zusätzlich studierte sie Erwachsenenpädagogik an der Humboldt-Universität zu Berlin.

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