Beeinträchtigung der zwischenmenschlichen Beziehung/ Ichbezogenheit

Beeinträchtigung der zwischenmenschlichen Beziehung/ Ichbezogenheit

Leo Kanner schrieb "... es handelt sich vom Anbeginn an um ein autistisches Alleinsein, welches alles, was von außen auf das Kind einwirkt, nicht beachtet, ignoriert und ausschließt." (Remschmidt, 2000, S. 10).

Eines der Kernsymptome des Autismus ist die Auffälligkeit in der sozialen Interaktion, Kanner sprach von „... einer angeborene Unfähigkeit, normale und biologisch vorgesehene affektive Kontakte mit anderen Menschen herzustellen." (Remschmidt, 2000, S.10). Autistische Kinder sind sich häufig der Existenz oder den Gefühlen anderer Personen nicht bewußt und können dadurch nicht auf sie reagieren oder Einfühlungsvermögen zeigen. Durch diese Schwierigkeit Situationen aus dem Blickwinkel anderer zu betrachten, um somit z.B. deren Reaktionen zu unterscheiden, mißverstehen sie das Verhalten anderer Personen und lassen sich durch die für sie schwer einzuschätzenden Verhaltensweisen aus der Fassung bringen. Autisten sind unfähig, das normale Maß an sozialem Gespür aufzubringen und sind in gewisser Weise gefühlsgestört, sie teilen Aufmerksamkeit und Freude nicht mit anderen und selbst Trost in Situationen seelischer Not suchen sie nur sehr begrenzt. Ebenso ist auffällig das der größte Teil der autistischen Kinder nur sehr eingeschränktes Nachahmungsverhalten zeigt. Handlungen Anderer werden eher mechanisch imitiert, ohne auf den Situationsbezug zu achten. Diese ausbleibende Imitationsfähigkeit hindert die Kinder am Lernen, denn die sich bis zum 2. Lebensjahr ausbildenden Vorstellungen erwachsen aus verinnerlichter Imitation. Der gestörte zwischenmenschlicher Kontakt äußert sich z.B. durch die starke Zurückgezogenheit in sich selbst, das sich Abkapseln von der Realität und das damit verbundene Vermeiden jeglichen Kontakts zur sozialer Umwelt. Nur selten werden andere Kinder zum Spielen herangezogen. Die Kontaktaufnahme zu Gleichaltrigen ist daher sehr erschwert, so daß sehr selten Freundschaften geschlossen werden können. Eine besondere Schwierigkeit besteht im Verstehen sozialer Zusammenhänge und Regeln, Autisten beziehen z.B. an eine Gruppe gerichtete Ansprache nicht auf sich. Dadurch ist es ihnen schwer möglich ihre Mitmenschen zu verstehen und sich selbst gegenüber ihrer Umwelt auszudrücken und angemessen auf Situationen zu reagieren. Die Umgebung erscheint ihnen unverständlich, so daß sie sich zurückziehen und dabei stereotype Verhaltensweisen entwickeln, welche ihnen durch ihr verläßliches Wiederkehren Sicherheit geben. Autisten zeigen größeres Interesse für die sachliche Umwelt als für menschliche Wesen. Ihr Sozialverhalten scheint also darauf ausgerichtet zu sein, Kontakte durch langandauernde Beschäftigungen mit Gegenständen, durch Fixierung auf bestimmte Bewegungsabläufe oder durch selbstbeschäftigende bzw. selbststimulierende Rituale aus dem Weg zu gehen. Die Teilnahme am Leben in der Gemeinschaft, ebenso wie die Fähigkeit zur Eingliederung in die Gesellschaft stellt sich aufgrund der genannten Faktoren als sehr schwierig dar.

Über die Autorin/den Autor
Alexandra May ist Diplom-Sozialarbeiterin/Sozialpädagogin (FH). Zusätzlich studierte sie Erwachsenenpädagogik an der Humboldt-Universität zu Berlin.

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