Diagnostik

Diagnostik

In den ersten Lebenswochen lässt sich der frühkindliche Autismus selten feststellen. Meist werden die Eltern ab dem 12. Monat aufgrund einiger Auffälligkeiten, wie z.B. die ablehnende Haltung des Kindes gegenüber der Mutter, Selbstzufriedenheit oder Hyperaktivität und der ausbleibenden Sprachentwicklung, auf eine mögliche Fehlentwicklung ihres Kindes aufmerksam. Bis eine endgültige Diagnose gestellt wird vergehen jedoch oft Jahre, da die Ärzte und Fachleute die Störung häufig nicht früher einordnen können. Häufig kommt es vor, dass die Eltern der Kinder mit der genannten Frühsymtomatik mit der Diagnose „Entwicklungsverzögerung" beruhigt werden. Aufgrund des Nichtreagierens auf Ansprache und dem fehlenden Blickkontakt wird bei diesen Kindern oftmals auch die Fehldiagnose taub oder taubblind gestellt. In der Internationalen Klassifikation der Erkrankungen (ICD-10) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden folgende Kernsymptome zur Früherkennung der autistischen Störung benannt. „Der „frühkindliche Autismus" ... eine Form der tiefgreifenden Entwicklungsstörung, die durch eine abnorme oder beeinträchtigte Entwicklung definiert ist und sich vor dem 3. Lebensjahr manifestiert; außerdem ist sie durch gestörte Funktionsfähigkeit in den 3 folgenden Bereichen charakterisiert: in der sozialen Interaktion, der Kommunikation und im eingeschränkten repetitiven Verhalten." (Nieß, 1995, S.16). Anhand der folgenden Diagnose- und Klassifikationskriterien kann der frühkindliche Autismus von anderen Störungen, wie geistiger Behinderung, Taub- und Blindheit, Schizophrenie und Tics unterschieden werden.

  1. Qualitative Beeinträchtigung der zwischenmenschlichen Beziehung
    • deutlicher Mangel Gefühle und Bedürfnisse andere Menschen wahrzunehmen
    • keine oder mangelnde Imitationsfähigkeit und soziales Spielen
    • starke Beeinträchtigung in der Kontaktaufnahme und Freundschaftsschließung
    • Geringer Gebrauch sozialer Signale
  2. qualitative Beeinträchtigung in der Kommunikation und Phantasie
    • charakteristische Störung der Sprache (die vom völligen Fehlen der aktiven Sprache und des Sprachverständnisses bis hin abnormen Sprache reicht (Stereotypen, Echolalie)
    • keine Kommunikationsaufnahme zum sozialen Gebrauch
    • mangelndes Interesse an Phantasiegeschichten
  3. deutlich eingeschränktes Repertoire von Aktivitäten und Interessen
    • zwanghaftes Bestehen auf Gleicherhaltung der dinglichen Umwelt (Routine), Äußerung von Panik und Angst bei Veränderung
    • eingeschränktes, stereotypes, sich wiederholendes Repertoire von Aktivitäten
    • deutlich eingeschränktes Interesse und eingeschränkte Beschäftigung

(vgl. Remschmidt, 2000, S.17)

Für eine sichere Diagnostik muß das Kind über einen längeren Zeitraum beobachtet werden. Die Verhaltens- und Verlaufsbeobachtungen dienen der Feststellung von Fähigkeiten und Defizite des Kindes. Auch umfangreiche Berichte der Eltern und Bezugspersonen über auffallende Verhaltensweisen und Entwicklungsauffälligkeiten des Kindes sind unabdingbar. Die Diagnose wird, unabhängig vom Vorhandensein einer körperlichen Erkrankung, anhand des Verhaltens gestellt. Sind bei einem Kind eine bestimmte Anzahl aus jedem der 3 Funktionsbereiche zu beobachten und liegt der Beginn der Störung vor dem 36. Lebensmonat wird anhand der Summe und Intensität der benannten Symptomen die Diagnose „Autismus" gestellt. Können nur einige Merkmale beobachtet werden spricht man auch von „autistischen Zügen". Wichtig ist, daß nicht alle Symptome gleichzeitig, nebeneinander auftreten müssen, einige der in der Liste aufgeführten Merkmale schließen sich sogar aus.

Über die Autorin/den Autor
Alexandra May ist Diplom-Sozialarbeiterin/Sozialpädagogin (FH). Zusätzlich studierte sie Erwachsenenpädagogik an der Humboldt-Universität zu Berlin.

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