Eingliederung von autistischen Kindern in eine integrative Schule

Eingliederung von autistischen Kindern in eine integrative Schule

Der erste Schritt zur Eingliederung eines Kindes in eine integrative Schule, erfordert ein umfangreiches Gespräch mit den Eltern, um die Vorgeschichte und die besonderen autistischen Verhaltensmerkmale zu erfassen. Anschließend wird der individuelle Entwicklungsstand des Kindes durch Beobachtungen und spielerische Test überprüft. Anschließend sollten erste Ziele festgelegt werden, wobei es besonders in der Anfangszeit nicht ausschließlich schulische Ergebnisse im Fordergrund stehen sollten. Anhand der autismusspezifische Problematik des Kindes (seinen Stärken und Schwächen) ist es häufig ist erst nötig, durch den Abbau negative Verhaltensweisen und die Förderung des Selbstvertrauen und des Sozialverhalten, die Bedingungen die ein erfolgreiches Lernen bedarf, zu schaffen. Das zukunftsorientierte Ziel ist dann die Wissensvermittlung und das Lernen in der Gruppe.

In den ersten Tagen bekommt das Kind Zeit sich an die neue Umgebung zu gewöhnen, indem es den Unterricht unbeteiligt beobachten kann und schrittweise in das Geschehen integriert wird. Diese Eingewöhnungszeit stellt sich jedoch häufig als schwierigste Phase dar und kann für alle Beteiligten sehr entmutigend sein. Häufig sind viele Wochen nötig bis ein einigermaßen guter Kontakt zwischen Lehrer und Schüler besteht. Eine ständige Kontakt- und Bezugsperson und das Einbeziehen der Eltern in das schulische Geschehen sind für das Sicherheitsgefühl und somit der Lernbereitschaft der Autisten sehr entscheidend. Denn erst wenn sich das Kind in seiner neuen Umgebung wohl fühlen und das Interesse an dieser geweckt ist, läßt sich erfolgreich mit dem Kind arbeiten. Wichtig ist, dem Kind je nach Auffassungsgabe zu erklären warum es die nächste Zeit in die Schule gehen wird und ihm durch einen geregelten Ablauf das Gefühl von Sicherheit zu vermitteln.
Es ist nach individuellen Maßstäben zu entscheiden ob zu Beginn der Schulzeit eine Einzelbetreuung notwendig ist. Dies hat sich z.B. bei sehr ängstlichen Kindern, die schwer an neue Situation zu gewöhnen sind und zur Bewältigung individueller Lernprobleme als Vorteil herausgestellt. Jedoch sollte sich dies im Laufe der ersten Wochen ändern und der Unterricht auf eine Kleingruppe (2-4 Kinder) erweitert werden. Ob man das jeweilige Kind später mit dieser Kleingruppe in eine Klasse eingliedern kann ist fallabhängig. Über gemeinsame Spiele, Feste, Ausflüge kann man private Kontakte (Freundschaft) zwischen den Autisten und den Mitschülern fördern und somit helfen zwischenmenschliche Kontakte aufzubauen. Durch eine flexible Unterrichtsgestaltung muß ausgehend von der momentanen Handlungsfähigkeit des Kindes ein differenzierter Lernplan, mit kleinen Lernschritten erstellt werden. Das Unterrichtsgeschehen muß den individuellen Schwierigkeiten des Autisten angepaßt sein. Sämtliche Aufforderungen müssen klar und eindeutig strukturiert sein und jegliche Ablenkung vom Unterricht vermieden werden. Es ist entscheidend die Signale und Interessen des Kindes zu beachten.

Die Belastbarkeit und Konzentration der autistischen Schüler ist wesentlich geringer als bei anderen Kindern. Aufgrund dieser Konzentrationsschwierigkeiten müssen in regelmäßigen Abständen Pausen und feste Ruhephasen eingelegt werden, um dem Autisten Rückzugsmöglichkeit und Erholung zu bieten.

Der Lehrplan sollte an Gegenstände und Dinge die das Kind bevorzugt anknüpfen. Autisten müssen sehr behutsam und langsam an eine Sache herangeführt und ständig zum Lernen aktiviert werden, da sie während selbständiger Beschäftigungen zu schnell in ihre stereotypen Verhaltensweisen verfallen. Zu Motivationszwecken ist Lob sehr wichtig, um durch diese positive Verstärkung die Lust am Lernen aufrecht zu erhalten. Andererseits sollten die Autisten wie jedes andere Kind, wenn angebracht, auch getadelt werden. Falsche Rücksichtnahme kann negative Auswirkungen haben, da sich das Kind so seiner Sonderstellung bewußt wird. Wie erfolgreich die schulische Integration autistischer Kinder ist, läßt sich schwer einschätzen Der Unterricht in Kleingruppen stellt sich erfahrungsgemäß, sofern die Situation in der Gruppe stabil bleibt und sich nicht verändert, als sehr vorteilhaft heraus. Oftmals sind erstaunliche Fortschritte zu beobachten, die innerhalb großer Klassen, aufgrund der Wahrnehmungsstörung der Autisten, nicht erreicht werden könnten.

Über die Autorin/den Autor
Alexandra May ist Diplom-Sozialarbeiterin/Sozialpädagogin (FH). Zusätzlich studierte sie Erwachsenenpädagogik an der Humboldt-Universität zu Berlin.

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