Autistische Entwicklung

Autistische Entwicklung

Das Anderssein des Kindes beginnt schon im ersten Lebensjahr. Säuglinge mit autistischer Störung sind meist auffallend ruhig und in sich zurückgezogen. Sie scheinen mit sich selbst zufrieden. Lautäußerungen treten meist sehr sporadisch, leise und monoton auf. Das Kind schläft viel und ist in seiner Motorik auffallend ruhig. Im Großen und Ganzen stellt es wenige Ansprüche an die Eltern und gilt daher oft als pflegeleicht, wodurch den Eltern zu diesem Zeitpunkt oftmals das abnorme Verhalten ihres Kindes nicht bewußt wird. Andere Kinder schreien häufig und leiden an Schlaflosigkeit und Eßstörungen. Meist gelingt es der Mutter nicht das anhaltende immer gleiche Schreien ihres Kindes zu unterscheiden (Hunger, Windel, Schmerz). Die Kinder lassen sich oft nur schwer beruhigen. Die Säuglinge zeigen wenig Interesse an ihrer Umwelt und scheinen am glücklichsten wenn sie allein gelassen werden. Auch fehlen alle Anzeichen der normalen Kontaktaufnahme des Kindes zu seinen Eltern. Das Kind nimmt selten oder gar keinen Blickkontakt auf, lächelt nicht und liegt teilnahmslos mit leerem Gesichtsausdruck in seinem Bettchen, es wirkt als nehme es keine Notiz von seiner Umwelt. Der Mutter fällt dabei häufig auf, daß der Säugling auf ihre Anwesenheit scheinbar keinen Wert legt und es seine Ärmchen nicht nach ihr ausstreckt. Autistische Kinder können zunächst kein Lächeln, kein Wort und keine Geste verstehen, so daß sie auch zu den Eltern kein normales Verhältnis aufbauen können. Das Kind nimmt daher selbst zur Mutter kaum Kontakt auf. Verursacht durch dieses Verhalten der Säuglinge entstehen Unsicherheiten bei den Eltern. Die primäre Störung des Kindes kann nun dazu führen die Mutter- Kind- Beziehung gestört ist.

Auf Körperkontakt reagieren autistische Kinder unterschiedlich. Werden die Kleinkinder auf den Arm genommen und gestreichelt, wenden sie sich häufig ab, schreien oder lassen die Berührungen gleichgültig über sich ergehen. Wieder andere Kinder suchen die Nähe und Liebkosungen von Kontaktpersonen. Die gesamte Entwicklung ist oft aber nicht immer verzögert. Meist lernen autistische Kinder sehr spät Krabbeln und Laufen. Im Laufe des 2. Lebensjahres treten erste Veränderungsängste auf, da in dieser Zeit die Beziehung zur dinglichen Umwelt geknüpft wird. Einige Autisten zeigen schon in der frühen Kindheit depressive Syndrome. Körperliche Anzeichen sind neben Schlaf- und Appetitlosigkeit, Kopf- und Bauchschmerzen. Die Kinder können meist sprachlich ihr Leid nicht äußern und fallen durch eine traurige Grundstimmung, Angst und deutliche Stimmungsschwankungen auf. Autistische Kinder weisen oft eine Über- oder Untersensibilität gegenüber taktilen, visuellen oder akustischen Sinnesreizen auf. Einerseits wirken sie dadurch oft wie taub oder schwerhörig, da sie oft auf laute Geräusche und Ansprache (da sie teilweise die Sprache nicht verstehen) nicht reagieren. Andererseits horchen sie bei speziellen leisen Tönen auf. Eben solche Auffälligkeiten lassen sich im visuellen Bereich beobachten, so erregen z.B. Lichtreflexe, Muster und Glitzer das Interesse autistischer Kinder. Auch interessieren sich Autisten selten für die Gesamtheit einer Person oder eines Gegenstandes. Ihre Aufmerksamkeit richtet sich vielmehr auf bestimmte Details, wie Schmuck oder Brillen. Zur Erkundung von Personen und Gegenständen kommt es zum starken Einsatz der Sinne; sie werden belecken, betastet, beschnüffelt und die Oberflächen werden abgeklopft.

Autistischen Kindern fehlt bis zum 2. Lebensjahr jegliches Sprachverständnis, so dass sie selbst sehr spät ins Fragealter kommen und dann lediglich stereotype Fragen, deren Antwort sie kennen, stellen. Um ihre Bedürfnis und Wünsche zu äußern ergreifen sie die Hand des „Helfers" und führen die Person zu dem gewünschten Gegenstand. Im Kindergarten zeigen sie keinerlei Interesse an den anderen Kindern und spielen lieber allein mit Gegenständen, welche sie nicht in zugedachter Weise nutzen. Der Kontakt zu anderen Kindern löst kein freudiges Verhalten aus und ruft, wie andere fremde Personen sogar Beklemmung hervor. Andererseits haben die Kinder keine Angst vor realen Gefahren (z.B. Straßenverkehr), reagieren aber ängstlich auf harmlose Gegenstände und Situationen. Der Höhepunkt der Symptomatik des Autismus liegt zwischen dem 5. und 8. Lebensjahr. Im Laufe der Entwicklung verlagern sich die Symptome, so nehmen z.B. Schlafstörungen, Angstanfälle, Geräuschempfindlichkeit und motorische Unruhen ab, wogegen sich Stereotypien über die Jahre manifestieren. Während der Pubertät nimmt aggressives Verhalten zu, was den Umgang mit den Jugendlichen sehr erschwert. Im Stadium des Heranwachsens haben sich Autisten einigermaßen an ihre Umwelt gewöhnt und haben teilweise Kontakt zu anderen Personen aufgebaut. Jedoch beschränkt sich die zwischenmenschliche Kontaktfähigkeit weiterhin auf wenige Bezugspersonen. Zu beobachten ist, daß in dieser Zeit häufig jegliche Eigeninitiative fehlt, da die Autisten in ihren gewohnten Verhaltensstrukturen verharren.

Über die Autorin/den Autor
Alexandra May ist Diplom-Sozialarbeiterin/Sozialpädagogin (FH). Zusätzlich studierte sie Erwachsenenpädagogik an der Humboldt-Universität zu Berlin.

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