Autismusspezifische Therapie

Autismusspezifische Therapie

Ziel der autismusspezifischen Therapie ist es positive Veränderung in der Wahrnehmungsstörung zu bewirken, das Sozialverhalten und die Anpassungsfähigkeit zu verbessern, stereotype Verhaltensweisen abzubauen und lebenspraktische Fertigkeiten zu fördern. Es geht vor allem darum die Entwicklungsreserven aufspüren und diese dem betroffenen Patienten zugänglich zu machen. Zu überlegen ist, welche Fähigkeiten langfristig gefördert werden sollen und welche Stärken ausgebaut werden können. Ebenso müssen gezielt die schwächeren Bereiche, die das Kind in seiner Entwicklung hindern (z.B. Stereotypen, Aggressionen, Angstüberwindung, Konzentrationsfähigkeit) verbessert werden. Trotz großer Fortschritte ist ein Durchbruch in der Behandlung autistischer Kinder und Jugendlicher noch nicht gelungen. Bei der Auswahl der therapeutischen Vorgehensweise muß man daher zwischen bewährten Praktiken und Außenseitermethoden entscheiden. Neue Methoden sollte man ebenso aufgeschlossen, wie kritisch betrachten. Ein wichtiges Kriterium an eine Therapie zu erfolgreichen Behandlung der autistischen Störung sollte unter anderem eine langfristige Verhaltensänderung sein, welche auch nach der Behandlungszeit erhalten bleibt. Da Autismus erst relativ kurze Zeit bekannt ist, liegen wenige Langzeituntersuchungen vor. Vielfältige Erfahrungen haben jedoch ergeben, daß besonders lerntheoretische Prinzipien und körperbezogene Therapieverfahren erfolgversprechend sind. Grundsätzlich sind besonders die Methoden geeignet die auf die Störung der Wahrnehmungsverarbeitung positiv einwirken.

Eine allgemeine Therapie des autistischen Syndroms gibt es nicht. Dieser schematisierter Therapieverlauf soll zeigen wie ein ganzheitlicher Förderansatz aussehen kann.

  1. Diagnose „Autismus"
  2. Verhaltensanalyse und Beobachtungsphase, Herstellung des Kontaktes zwischen Therapeut und Autisten (oftmals schwierig)
  3. Base line → auch als Behandlungsplan zu verstehen, welcher unter Einbeziehung des Lebensumfeldes erstellt wird. Hierbei werden verschiedene Praktiken wie Verhaltenstraining, Musiktherapie, etc. zur Behandlung der individuellen Probleme ausgewählt und ein sogenannter multimodaler Behandlungsplan erstellt. Wichtig ist, daß sich alle Methoden auf das erwünschte Zielverhalten, bzw. –Symptom konzentrieren. Dieses Programm wird anschließend einige Wochen realisiert, ändert sich das Verhalten positiv wird die Methode beibehalten und ergänzt, ansonsten müssen andere Behandlungsmethoden herangezogen werden. Dieses Basisprogramm zielt vor allem drauf ab Wahrnehmungsauffälligkeiten abzubauen und eine sensorische Integration zu ermöglichen.
  4. Die Individuelle Aufbautherapie ist als Förderungskatalog zu verstehen, welche unterschiedlichen Therapieformen einschließt. Wichtig ist den Stellenwert der Symptome und Verhaltensauffälligkeiten zu erkennen, um diese Auffälligkeiten gezielt durch bestimmte Methoden zu beeinflussen. Vor allem der Abbau der Stereotypen und der Aufbau einer konsequenten Arbeitshaltung und Selbständigkeit stehen im Mittelpunkt, da dieser Faktoren entscheidend für die soziale Integration und ein zumindest teilweise selbständiges Leben sind.
  5. Lebensbegleitung- und unterstützung

Frühförderung für autistische Kinder

Um die autistischen Beeinträchtigungen möglichst gering zu halten ist es wichtig so zeitig als möglich mit der Frühförderung zu beginnen. Da man davon ausgeht das die Entwicklung der Kinder erheblich von Umweltfaktoren und Anregungen abhängig ist. „Howlin weist drauf hin, daß die Kinder dann am stärksten von den Maßnahmen profitieren, wenn diese sehr früh beginnen (zwischen 2 und 4 Jahren), wenn sie intensiv genug sind (mindesten 15 Stunden pro Woche) und wenn die Dauer ausreichen ist (mindestens 2 Jahre)." (Remschmidt, 2000, S. 75)
Ausgehend vom Entwicklungsprofil des Kindes muß ein individueller Behandlungsplan erstellt werden. Sofern sich einzelnen Behandlungsmethoden durch ihre Grundprinzipien nicht ausschließen, ist es sinnvoll diese zur Behandlung der unterschiedlichen Defizite heranzuziehen. Die zu fördernden Einzelbereiche müssen durch gezieltes Vorgehen zu einem multimodalen Gesamtkonzept geordnet, sowie mit pädagogische und verhaltenstherapeutische Maßnahmen verknüpft werden. Der Behandlungsplan sollte je nach Symptomatik auch Krankengymnastik und logopädische Therapie umfassen. Wichtig ist realistisch Ziele in einer bestimmten Zeitperspektive zu stecken. In vielen Fällen sind durch Frühfördermaßnahmen sehr positive Ergebnisse zu verzeichnen, so werden bemerkenswerte Fortschritte in der sprachlichen Kommunikation und im Sozialverhalten erlangt, welche Voraussetzung für die Gesellschaftliche Integration sind. (Remschmidt, 2000, S.73)

Über die Autorin/den Autor
Alexandra May ist Diplom-Sozialarbeiterin/Sozialpädagogin (FH). Zusätzlich studierte sie Erwachsenenpädagogik an der Humboldt-Universität zu Berlin.

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