Auswahl der Untersuchungsmethode

Auswahl der Untersuchungsmethode

In der empirischen Sozialforschung unterscheidet man zwischen qualitativen und quantitativen Ansätzen. Angesichts des Forschungsinteresses liegt die Anwendung einer qualitativen Methode nahe. Hans Oswald erläutert die Merkmale dieses Forschungsansatzes wie folgt:„Qualitative Sozialforschung benutzt nichtstandardisierte Methoden der Datenauswertung, wobei sich die Interpretation nicht nur, wie (meist) bei den quantitativen Methoden, auf Generalisierung und Schlussfolgerung bezieht, sondern auch auf Einzelfälle." (Oswald 2003: 75)

Als qualitatives Erhebungsinstrument wird ein leitfadengestütztes offenes Experteninterview gewählt, da diese Methode geeignet scheint, um auf die Problemstellung dieser Arbeit bezogenes Expertenwissen zu gewinnen. Das leitfadengestützte Interview ist stärker strukturiert als das narrative (erzählende) Interview. Zum einen gestaltet sich diese Methodeso offen, dass sie der Komplexität im untersuchten Gegenstand gerecht wird. Andererseits werden einzelne Themengebiete vorgegeben durch die das Interview thematisch eingegrenzt wird. Es dient dazu gezielte Daten und Informationen zu einem bestimmten Problem zu erhalten und kann auch dazu dienen Hypothesen zu überprüfen. Auch hier werden die in den Experteninterviews gewonnenen Informationen zur Überprüfung der aufgestellten Thesen verwendet. (vgl. Steinert, Thiele 2000: 136 f)

Es werden offen formulierte Fragen in die Interviewsituation eingebracht, auf die der Befragte frei antworten kann. Der Interviewer entscheidet im Verlauf des Interviews wann und in welcher Reihenfolge er die Fragen stellt, wann er detailliert nachfragt und wann er bei Abschweifungen des Interviewten zum Leitfaden zurückkehrt. Dies erfordert und verlangt ein hohes Maß an Sensibilität für die Interviewsituation sowie an Überblick bezüglich des bereits Gesagten und der Relevanz hinsichtlich der Fragestellung der Untersuchung. Der Vorteil eines leitfadengestützten Interviews liegt darin, dass der Leitfaden im Unterschied zum rein narrativen Interview die Vergleichbarkeit der Daten vereinfacht. (vgl. Flick 2002: 143 ff)

Das Experteninterview versteht sich als spezielle Anwendungsform von Leitfadeninterviews. Der Befragte, in seiner Eigenschaft als Experte für ein bestimmtes Handlungsfeld, ist hierbei von Interesse und steht im Mittelpunkt der qualitativen Forschungsarbeit. Er wird als Repräsentant seiner Gruppe in die Untersuchung einbezogen. Die Gefahren der Expertenbefragung können unter anderem darin liegen, dass der Befragte seine Rollen zwischen Experte und Privatperson wechselt oder er gar nicht, wie angenommen, Experte auf diesem Gebiet ist und so das Interview blockiert. (vgl. Flick 2002: 139 f)

Über die Autorin/den Autor
Alexandra May ist Diplom-Sozialarbeiterin/Sozialpädagogin (FH). Zusätzlich studierte sie Erwachsenenpädagogik an der Humboldt-Universität zu Berlin.

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