Alkoholismus als Erkrankung

Alkoholismus als Erkrankung

Von zwei führenden Fachinstanzen der USA wurde 1992 nachfolgende zusammenfassende Definition des Alkoholismus formuliert:
„Alkoholismus ist eine primäre, chronische Krankheit, deren Entstehung und Manifestation durch genetische, psychosoziale und umfeldbedingte Faktoren beeinflusst wird. Sie schreitet häufig fort und kann tödlich enden. Alkoholismus wird durch eine Reihe von dauernd oder zeitweilig auftretenden Kennzeichen charakterisiert: durch die Verschlechterung des Kontrollvermögens beim Trinken und durch die vermehrte gedankliche Beschäftigung mit Alkohol, der trotz besseren Wissens um seine schädliche Folgen getrunken und dessen Konsum häufig verleugnet wird". (zitiert nach Feuerlein 1998: 7)

Die Alkoholkrankheit (auch Alkoholismus) zählt zu den stoffge-bundenen Suchtkrankheiten bzw. laut ICD-101 zu den Psychischen und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen.

Im Jahre 1964 wurde der Begriff „Sucht" von der Weltgesundheits-organisation (WHO) durch den Begriff der „Abhängigkeit" ersetzt, wobei zwischen körperlicher und psychischer Abhängigkeit unterschieden wird.
Bei Alkoholismus wird zwischen dem Alkoholmissbrauch bzw. dem schädlichen Alkoholgebrauch und der Alkoholabhängigkeit differenziert. Unter Missbrauch allgemein versteht sich der Gebrauch einer Sache in einer Weise, die vom üblichen Gebrauch bzw. vom ursprünglich dafür gesetzten Zweck abweicht, und zwar in qualitativer und/oder quantitativer Hinsicht. Unter Alkoholmissbrauch ist daher ein erhöhter Konsum zu verstehen, der zu körperlichen, psychischen und sozialen Schäden führt. Vom Alkoholmissbrauch gibt es fließende Übergänge zur Alkoholabhängigkeit. (vgl. Feuerlein 1998: 4 ff)

Laut ICD-10 der WHO sind für die Diagnose einer Alkoholabhängigkeit folgende Kriterien notwendig:

  1. ein starker Wunsch oder eine Art Zwang, Alkohol zu konsumieren
  2. verminderte Kontrollfähigkeit in Bezug auf Beginn, Beendigung und Menge des Alkoholkonsums
  3. Auftreten von körperlichen Entzugssyndromen
  4. Auftreten einer Toleranzveränderung, Tendenz zur Dosissteigerung
  5. fortschreitende Vernachlässigung von Interessen zugunsten des Alkoholkonsums
  6. anhaltender Alkoholkonsum trotz Nachweises eindeutiger schädlicher Folgen

(vgl. Feuerlein 1998: 7 ff; Lindenmeyer 1999: 2 ff)

Die genaue Entstehung der Alkoholabhängigkeit konnte bis heute nicht erklärt werden, allerdings gehen Experten davon aus, dass sich biologische, psychologische und soziale Faktoren gegenseitig beeinflussen. Die Entstehungsbedingungen lassen sich vereinfacht über ein Dreieckschema darstellen, an deren Ecken die spezifische Wirkung des Alkohols, die biologischen und psychologischen Eigenschaften des Individuums sowie das soziale Umfeld stehen. (vgl. Feuerlein 1998: 16ff)

Elvin Morton Jellinek (1960) unterscheidet zwischen folgenden fünf Trinkertypen, wobei die Art und Weise des Trinkens sowie die Schwere der Alkoholfolgeschäden maßgebend ist:

  • Der Konflikttrinker (Alpha-Typ) konsumiert Alkohol um innere Konflikte zu beseitigen sowie zur Erleichterung und zum Spannungsabbau in, für ihn, belastenden Situationen.
  • Der Gelegenheitstrinker (Beta-Typ) trinkt bei sozialen Anlässen exzessiv, der Alkoholkonsum wird also durch soziale Umstände wie z. B. Feierlichkeiten begünstigt.
  • Der Süchtige Trinker (Gamma-Typ) trinkt aus einem inneren Zwang heraus und verliert während des Alkoholkonsums die Kontrolle über die Trinkmenge.
  • Der Gewohnheitstrinker (Delta-Typ) trinkt über den Tag verteilt regelmäßig Alkohol, um einen gleichbleibenden Alkoholspiegel sicher zu stellen und Entzugserscheinungen zu vermeiden.
  • Der Quartalstrinker (Epsilon-Typ), trotz zwischenzeitlicher Abstinenz kommt es zu Phasen unkontrollierten Alkoholkonsums mit Kontrollverlust.

Die Delta und Gamma- Trinker werden als alkoholabhängig charakterisiert, wobei die anderen Trinkertypen nicht als alkholabhängig, jedoch als gefährdet gelten.
(vgl. Feuerlein 1998: 205 f; Feuerlein, Dittmar 1979: 1 ff)

Über die Autorin/den Autor
Alexandra May ist Diplom-Sozialarbeiterin/Sozialpädagogin (FH). Zusätzlich studierte sie Erwachsenenpädagogik an der Humboldt-Universität zu Berlin.

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