Rhythmik- „Erziehung durch Bewegung“ für Taubblinde

Rhythmik- „Erziehung durch Bewegung“ für Taubblinde

Dem hinzufügen möchte ich die Methode der Rhythmik- „Erziehung durch Bewegung", wie sie Schwerpunktmäßig an der Sonderschule des Blindenzentrums für Taubblinde durchgeführt wird. Auch im Taubblindenwohnheim des Oberlinhauses wird diese Methode angewandt.„Bewegung bedeutet Leben" (Taubblindenwerk: 2001). Die spontanste Motivation eine Bewegung auszuführen entsteht durch auditive und visuelle Erfahrungen. Daher hat ein fehlendes oder mangelhaftes Hör-Sehvermögen häufig das Fehlen an Motivation eigener Körperbewegungen zur Folge. Jedoch setzt Entwicklung eines Kindes, sowie die Auseinandersetzung mit sich und der Umwelt die Fähigkeit voraus, sich bewegen zu können. Taubblinde Kinder sind aufgrund mangelnder Erfahrung fast immer bewegungsängstlich und- gehemmt. Da diese Kinder Dinge in ihrer Umgebung nicht oder nur sehr ungenau erkennen erzeugen die Umwelt Angst bei ihnen. Daher muss man sehbehinderten und taubblinden Kindern dazu verhelfen ihre Umwelt kennen zulernen und mit bestimmten Gegenständen umgehen zu können. Dies fördert eine positive Einstellung zur Umwelt und das Kind wird sich wohler und sicherer fühlen.

Rhythmik versucht nun durch Bewegungserziehung hör-sehbehinderte Kinder „lebendiger" zu machen, sie aus der Isolation zu lösen und mehr am Leben teilhaben zu lassen. Taubblinde müssen Bewegungen/Bewegungsabläufe mühsam erlernen. Dies beginnt beim Körperschema und einfachste Koordinationsformen und geht über gezielte Rumpf- und Kopfbewegungen des ganzen Körpers zu grob- bis feinmotorischen Bewegungen. Rhythmik soll motivierend zu Bewegungen hinführen. „Ziel aller Angebote ist, Bewegung nicht nur im Sinne der Motorik, sondern ebenso im Sinne von Entwicklung in Gang zu setzten.." (Taubblindenwerk: 2001). Um auf die individuellen Bedürfnisse jedes einzelnen einzugehen wird „Rhythmik" neben Gruppenübungen auch in Einzelsitzungen angeboten. Wobei zu Anfang Fragen, wie „Wie kann ich Kontakt aufbauen? Und Sicherheit vermitteln? von Bedeutung sind. Als erstes Kontaktmittel wird meist das Trampolin, ein Physioball oder ein Schaukelkissen eingesetzt. Weitere Hilfsmittel sind unter anderem Vibrationshocker, welche verstärkt die Vibration rhythmisch-musikalischer Elemente wiedergeben. Sie wirken zum einen entspannend und dienen gleichfalls als Anreiz zum Tasten und fordern zur eigenen Aktivität auf. Erst wenn sichergestellt wurde, dass sich ein Kind im Rhythmikraum wohl fühlt, kann mit der eigentliche zielgerichtete Arbeit begonnen werden. Neben motorischen Leitungsfähigkeiten gilt das Anbahnen und die Förderung des Sozialverhaltens als weiteres Ziel dieser Methode, in diesem Sinne werden gezielte Gruppentherapeutische Angebote eingesetzt. Ziel der Förderung soll sein, beim Kind ein „Ich kann etwas"- Erlebnis zu vermitteln, und die Grenzen die eine Sehhörbehinderung notgedrungen mit sich bringt auszuweiten. Rhythmik ermöglicht eine Entwicklung und Bereicherung der Gesamterziehung, besonders in den Bereichen Körper-, Material- und Sozialerfahrung.
(vgl. Taubblindenwerk: 2001)

Über die Autorin/den Autor
Alexandra May ist Diplom-Sozialarbeiterin/Sozialpädagogin (FH). Zusätzlich studierte sie Erwachsenenpädagogik an der Humboldt-Universität zu Berlin.

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