Beeinträchtigung des Spracherwerbs bei der Lippen-Kiefer-Gaumen-Segel-Fehlbildung

Beeinträchtigung des Spracherwerbs bei der Lippen-Kiefer-Gaumen-Segel-Fehlbildung

Dieser Artikel gibt einen Überblick über die Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte, mögliche Beeinträchtigungen des Spracherwerbs betroffener Kinder, Häufigkeit des Auftretens sowie mögliche Therapien.

Einführung

Zum Sprechen benutzen wir unsere Sprechwerkzeuge und unsere Atmung. Die Sprechwerkzeuge bestehen aus: Lippen, Zunge, Zähne, harter Gaumen, Gaumensegel, Rachen-, Mund- und Nasenhöhle (vgl. NEUMANN, S.13). Die Sprechwerkzeuge müssen funktionieren und aufeinander abgestimmt sein, um deutliche sprachliche Äußerungen zu ermöglichen. Bei der Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte kann die Sprache je nach Stärke der Fehlbildung beeinträchtigt sein.

Äußeres Erscheinungsbild

Vom äußeren Erscheinungsbild bei Kindern mit Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte gibt es mittlerweile über 100 verschiedene Formen. Die Fehlbildungen können partiell oder total im Bereich des Oberkiefers sowie in verschiedenen Regionen auftregen: Kiefer, Lippen, Gaumen, Segel, äußere und innere Nase (vgl. WELLING 2006, S.151).

Folgebeeinträchtigungen im Spracherwerb

Die Fehlbildungen reichen von einer leichten Lippenrotkerbe bis zu einer durchgehenden doppelseitigen Spalte in den Regionen der Lippe, des Kiefers, des Gaumens, des weichen Gaumensegels, der Nase und der Nasenscheidewand (vgl. WELLING 2006, S.151). Folglich sind das Hören, die Trinktätigkeit, die Mimik und die Atmungstätigkeit beeinträchtigt.

Die Atmung, der Stimmklang und die Lautbildung können aufgrund der Fehlbildungen beeinträchtigt sein. Wenn nicht rechtzeitig eine medizinische (operative) und logopädische Behandlung erfolgt, hat dies dauerhafte, negative Auswirkungen, insbesondere in Form von Sprech- und Stimmauffälligkeiten und phonetischen Entwicklungsstörungen. Dies kann im schlimmsten Fall zu einer Sprachbehinderung führen.

Viele Laute können physiologisch nicht gebildet werden, z. B. infolge fehlender Artikulationsstellen. Durch den unzureichenden Segel-Rachen-Verschluss entsteht eine Hypernasalität. Vokale klingen daher oft nasalisiert.

Das Risiko einer Höreinschränkung ist bei Kindern mit einer Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte deutlich erhöht, denn betroffene Kinder leidern sehr häufig unter einer Mittelohrentzündung. Folglich können sie leise und tief klingende Töne nicht richtig wahrnehmen. Dyslalien sind oft die Folge (vgl. www.journalmed.de).

Häufigkeit der Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte

Eine LKGS-Fehlbildung tritt in Europa mit einer Häufigkeit von etwa 1:500 Geburten auf. In Deutschland werden pro Jahr etwa 1900 Neugeborene mit einer Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte geboren. Einseitige Spalten sind dabei häufiger als doppeltseitige.

Therapie der Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte

Operative Korrektur: Normale anatomische und Sprachentwicklung gewährleisten

"Zur operativen Versorgung von Lippen-Kiefer-Gaumenspalten gibt es verschiedene Techniken, mit denen heute überwiegend sehr gute funktionelle und kosmetische Ergebnisse erreicht werden. Moderne und schonende Narkoseverfahren ermöglichen zudem auch schon bei sehr jungen Patienten operative Eingriffe", erläutert Prof. Schultze-Mosgau. "An unserer Klinik erfolgt der Verschluss der Lippe bereits im dritten bis vierten Lebensmonat und des harten und/oder weichen Gaumens kurz vor Ende des ersten oder zu Beginn des zweiten Lebensjahres, um eine normale Entwicklung des Mittelgesichtes und der Sprachbildung zu ermöglichen" (www.med.uni-jena.de). Dies zeigt, dass eine frühe Operation eine normale anatomische Sprachentwicklung gewährleisten kann.

Die erste Operation beinhaltet die morphologisch korrekte Erstellung der Lippe, des Gaumens und der inneren Nase. In der zweiten Operation werden Korrekturen an der Oberlippe, Kieferspalte und der äußeren Nase vorgenommen. Bei manchen Kindern wird zusätzlich noch eine Operation durchgeführt, die das Sprechen lernen unterstützt.

Frühförderung

In sprachpädagogische Förderungen von Kindern mit einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalten zeigen mit mehr und mehr das familiäre Umfeld in die Förderung einbezogen (Neumann 2003a, 2003b). Die Eltern werden beraten, weitergebildet und genau über die Lippen-Kiefer-Gaumenspalte informiert. Eine sprachtherapeutische und heilpädagogische Frühförderung ist empfehlenswert. Eine interdisziplinäre Arbeit ist für die Frühförderung ein großer Vorteil, um Sprechauffälligkeiten bei Kindern mit LKGS-Fehlbildung frühzeitig entgegenzuwirken.

Förderspiele

Wichtig bei jeder Sprachförderung ist es, dass die Übungen dem Kind Spaß machen. Die beste Unterstützung ist es, wenn der Therapeut die Freude am Sprechen weckt. Kindern machen Mitmachübungen viel Spaß. Es ist daher wichtig, dem Kind die Zeit und den Raum für Eigeninitiative zu geben. (Die nachfolgenden Punkte sind eine Zusammenfassung aus Neumann, S.: "LKGS Lippen-Kiefer-Gaumen-Segel-Spalten. Ein Ratgeber für Eltern.")

Tauziehen

Dafür wird ein Seil benötigt. Es wird an beiden Enden von Kindern festgehalten. Nun wird versucht, sich gegenseitig über eine Makierung zu ziehen. Der Effekt wirkt sich auf das Gaumensegel aus: Er wird durch den Zug gesenkt.

Luftballon Akrobat

Das Kind bläst einen Luftballon auf. Danach versucht das Kind, den Luftballon mit gestrecktem Zeigefinger anzutippen, um den Luftballon so lange wie möglich in der Luft zu halten.

Zuhörspiele

Das Kind mit einer Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten soll ähnlich klingende Laute unterscheiden können. Therapeuten können auch das Kind selbst Laute erzeugen lassen. Dies erhöht die Motivation des Kindes.

Weckersuche: Das Kind wird kurz aus dem Raum geschickt. Ein tickender Wecker wird versteckt. Das Kind kommt wieder herein und soll nun den tickender Wecker suchen.

Lieder klatschen: Ein altbekanntes Kinderlied wird im Takt geklatscht. Die Kinder sollen nun erraten, um welches Lied es sich handelt.

Geräuschmemory: Ungefähr 6-8 verschiedene Materialien, je nach Alter, werden in Filmdosen verpackt. Die Materialien kommen doppelt vor. Zum Beispiel können Wasser, Kieselsteine, Sand oder Murmeln verwendet werden. Das Kind nimmt sich 2 Filmdosen und hält diese an sein Ohr. Es soll die gleichklingenden Geräusche heraushören.

Literatur

  • Alfons Welling (2006): "Einführung in die Sprachbehindertenpädagogik", München
  • Neumann (2003a): "Rhinophonie und LKGS-Fehlbildung"
  • Neumann (2003b): "Sprachliche Frühförderung bei LKGS-Fehlbildung"
  • Neumann (2002): "LKGS-Lippen-Kiefer-Gaumen-Segel Spalten. Ein Ratgeber für Eltern", Idstein
  • www.med.uni-jena.de
  • www.journalmed.de
Über die Autorin/den Autor
Diana Saft ist staatlich anerkannte Heilpädagogin und Heilerziehungspflegerin. Sie sammelte bisher Erfahrungen in einem Seniorenheim, in einem Wohnheim für Menschen mit Behinderungen, in einem integrativen Kindergarten und in einem deutschen Kindergarten in den USA.

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