Chronisches Nierenversagen bei Kindern - Niereninsuffizienz

In diesem Artikel erhalten Sie eine stichpunktartige Einführung in das Thema Niereninsuffizienz bzw. chronisches Nierenversagen bei Kindern. Der Artikel enthält neben einer Definition Informationen über Krankheitsbild, Therapie und Belastung betroffener Kinder im Alltag.

Definition von Nierenversagen

Man spricht von "chronischer Niereninsuffizienz", wenn die Nierenfunktion kontinuierlich verschlechtert ist, so dass es zu einem vollständigen Nierenversagen kommt. Die Nieren erfüllen lebenswichtige Aufgaben, deshalb ist Nierenversagen tödlich!

Die häufigsten Erkrankungen, die zu chronischem Nierenversagen führen, sind: Diabetische Nephropathie, Chronische Glomerulonephritis, Interstitielle Nephritis und chronische Pyelonephritis, Hypertone vaskuläre Nephropathie, Polyzystische Nephropathie,Analgetikanephropathie und Systemerkrankungen.

Ursachen für Niereninsuffizienz

  • 60% der betroffenen Kinder leiden unter angeborenen, teils erblichen Funktionsstörungen der Nieren
  • 40% der betroffenen Kinder leiden an Folgeerscheinungen von Entzündungen, Unfallverletzungen, Tumoren oder Stoffwechselstörungen der Nieren
  • langanhaltende Nierenstörungen können zur Niereninsuffizienz führen

Entstehung von Niereninsuffizienz

  • Fehlbildungen oder Krankheiten können die Filterfunktion der Nieren einschränken, so dass zu viele Gift- und Abfallstoffe im Körper zurückbleiben und nicht mehr ausgeschieden werden.
  • Chronische Niereninsuffizienz bedeutet, dass das Nierengewebe dauerhaft beschädigt ist und langsam eingeht.
  • Die gesunden Nierenanteile schaffen die Mehrarbeit nicht.

Krankheitsbild

Anfangsstadium

  • keine typischen Krankheitsanzeichen
  • Kind hat verstärkt Durst
  • Kind muss häufiger Urin lassen
  • Kind ist blass und müde.

Anzeichen für fortschreitender Niereninsuffizienz

  • Blutarmut, Müdigkeit, Konzentrationschwäche
  • Wassereinlagerungen im Gewebe
  • Störungen des Knochenstoffwechsels mit Knochenverformung, Wachstumsverlangsamung
  • Bluthochdruck in Verbindung mit Kopfschmerzen
  • Minderwuchs aufgrund mangelnder Wachstumshormone
  • Störung der Pubertät, Pubertät setzt 2-3 Jahre später ein

Diagnostik

  • Blut- und Urinuntersuchungen geben über die Filterfunktion der Niere Aufschluss.
  • "Kreatinin-Wert": Bei Nierenfunktionsstörungen wird er ungenügend Kreatinin ausgefiltert, der Kreatininwert im Blut steigt dadurch an.
  1. Stadium: Kreatininwert normal, andere Nierenfunktionen schon vermindert
  2. Stadium: Kreatininwert erhöht, ohne Krankheitssymptome
  3. Stadium: Kreatininwert erhöht, Krankheitsanzeichen
  4. Stadium: hohe Kreatininwerte, regelmäßige Blutwäsche nötig

Therapie von Niereninsuffizienz

Konservativ: z. B. Entzündungsbehandlung und Behandlung der jeweiligen Einzelsymptome:

  • gegen Blutanämie: Verabreichung von Eisenpräparaten
  • für besseren Knochenstoffwechsel: Verabreichung von Hormonen und Calciumpräparaten
  • gegen Bluthochdruck: Verabreichung blutdruckregulierender Medikamente
  • Verabreichung von Wachstumshormonen
  • Regulierung des Wasser- und Salz- Haushalts durch Diät und Medikamente

"Nierenersatztherapien": Dialyse (Blutwäsche) oder Nierentransplantation

  • wenn Niereninsuffizienz mit Medikamenten & Diät nicht mehr zu beherrschen ist
  • ohne Ersatztherapie würde das Kind nicht weiter überleben
  • Aparative Filtersysteme übernehmen die Nierenfunktion oder die Nieren werden durch Transplantation ersetzt.

Blutwäsche (Dialyse)

Die Dialyse dient der regelmäßigen Befreiung des Körpers von „Giftstoffen” durch Filtrieranlagen. Eine Maschine übernimmt 3-4 mal wöchentlich die Filterfunktion der Nieren. Häufige Nebenwirkungen der Dialyse sind Kopfschmerzen, Übelkeit, Muskelkrämpfe. Wegen des Risikos von Blutgerinseln müssen Kinder zusätzlich Medikamente einnehmen. Bei der sogenannten „Heimdialyse” wird ein Patient zuhause über Nacht an ein Dialysegerät angeschlossen.

Die Peritonealdialyse (Bauchfelldialyse)

Die Bauchfelldialyse ist die schonendste Form der Dialyse. Sie ist kaum schmerzhaft und es sind nur wenige Begleitmedikamente nötig. Der Patient kann selbständig die Spülflüssigkeit wechseln. Gerade Kinder lernen dadurch auch, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Nachteile der Bauchfelldialyse: relativ häufige Bauchfellentzündungen, Leistenbrüche, und/oder Infektionen durch das Schlauchsystem des Dialysegerätes.

Begleittherapie

Bei beiden Dialysemethoden - der Blutwäsche und der Bauchfelldialyse - ist eine Begleittherapie notwendig.

  • Zahlreiche Medikamente mit hohen Nebenwirkungen zum Ausgleich der Nierenstoffwechselstörung
  • Diät mit strengster Kostauswahl und Flüssigkeitsbegrenzung auf etwa 0,5 Liter pro Tag

Nierentransplantation

  • Einpflanzen von gesunden Nieren von Verwandten ersten Grades oder von Verstorbenen
  • Wartezeit beträgt durchschnittlich 4 Jahre.

Nachsorge

  • Eingepflanzte Nieren nehmen ihre Funktion erst nach Wochen oder gar Monaten auf.
  • Verabreichung von hohe Dosen stark wirkender Medikamente zur Dämpfung des körpereigenen Immunsystems, um ein Abstoßen der Nieren zu verhindern.

Belastung im Alltag

Körperliche Belastbarkeit

  • Dialyse-Kinder: Kindergartenbesuch bzw. Schulbesuch ist möglich, allerdings bestehen Einschränkung durch Medikamente und deren Nebenwirkungen.
  • Kinder mit transplantierten Nieren: sind im 1. Jahr nach der Transplantation zu schonen, da die Immunsuppressiva (Medikamente zum Dämpfen des Immunsystems) körperliche Belastbarkeit vermindern.

Sport

  • Teilnahme ist wünschenswert, schwere körperliche Anstrengungen müssen jedoch unter allen Umständen vermiedern werden.
  • sportliche Leistung betroffener Kinder nicht mit denen gesunder Kindern vergleichen, um die betroffenen Kinder nicht unnötig unter Druck zu setzen
  • Nierenkranke Kinder müssen auf ihre Trinkmenge achten.
  • Nässe und Kälte (bzw. starkes Schwitzen mit anschließender Abkühlung) wegen Infektionsgefahr vermeiden

Geistige Entwicklung

  • Niereninsuffizienz hat keine Auswirkungen auf die geistige Entwicklung eines Kindes
  • Fehlzeiten 1-2 Jahre aufgrund der Dialysetage

Krankheitswahrnehmung

Dialyse

  • Maschine verursacht bei vielen Patienten Angstgefühle, die mit zunehmendem Alter stärker werden
  • Patienten leiden unter depressiver Verstimmung und Regressionstendenzen
  • betroffene Kinder verlieren oft Interesse an sozialen Kontakten
  • Fisteln an Armen oder am Bauch verletzt das Körpergefühl; Patienten versuchen, sie zu verstecken
  • Das Leben der Familie ist dem Rhythmus der Maschine unterworfen

Transplantation

  • nach einer Nierentransplantation neue Hoffnungen und neuer Lebensmut
  • Angst, ob das Organ überlebt
  • nach einer Nierentransplantation neue Einschränkungen durch viele und starke Medikamente

Pädagogische Aufgaben

... im Kindergarten

  • Frühfördermaßnahmen und gezielte Therapien anbieten, um therapiebedingte Verzögerungen aufzuholen
  • Eltern müssen den Schock überwinden, oft auch eine Entscheidung über Leben oder Tod treffen
  • so lange wie möglich Kindergartenbesuch zwecks sozialer Integration
  • betroffenen Kindern dabei helfen, die Krankheit nicht zu ignorieren oder zu verleugnen, sondern zu akzeptieren
  • Betreueraufgabe: Maßnahmen zur Infektionsverhütung und zur Diäteinhaltung mit den Eltern besprechen

... in der Schule

  • An Niereninsuffizienz leidende Kinder benötige vermehrt Unterstützung der wegen der vielen Fehlzeiten
  • Betroffene Kinder haben häufig eine niedrige Lernmotivation, bedingt durch Depressionen und Existenzangst. Sie müssen daher häufiger motiviert werden.

Was können Sie als Erzieher/Lehrer tun?

  • Darauf achten: Dialysekinder dürfen nur 0,5 Liter pro Tag trinken, Kinder mit transplantierten Nieren müssen mind. 2 Liter pro tag trinken.
  • Bei Müdigkeit und Konzentrationsschwäche sollte man berücksichtigen, dass es sich um krankheitsbedingte Schwankungen handel kann.
  • Zur sozialen Integration eigenen sich außerdem Ferienlager von Selbsthilfegruppen oder (Kinder-) Dialysezentren.

Weitere Informationen

Mehr Informationen erhalten Sie beispielsweise unter:

Über die Autorin/den Autor
Diana Saft ist staatlich anerkannte Heilpädagogin und Heilerziehungspflegerin. Sie sammelte bisher Erfahrungen in einem Seniorenheim, in einem Wohnheim für Menschen mit Behinderungen, in einem integrativen Kindergarten und in einem deutschen Kindergarten in den USA.

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