Die komplexe Leistung des Spracherwerbs

Die komplexe Leistung des Spracherwerbs

Dieser Artikel betont die Wichtigkeit, die Komplexität, aber auch die Empfindlichkeit der Sprachentwicklung bei Kindern.

Eine hoch-komplexe Leistung

Der Spracherwerb ist eine der komplexesten Leistungen, die ein Kind vollbringen kann. "Der Erwerb sprachlicher Strukturen ist in einen universellen Entwicklungsplan sensorischer, motorischer, kognitiver und emotionaler und sozial-kommunikativer Funktionsbereiche eingeordnet, die sich in ihrer Wirkungsweise gegenseitig beeinflussen“ (Grohnfeldt, S.11). Aufgrund der verschiedenen Funktionsbereiche stellt die Sprachentwicklung einen gewaltigen Komplex dar. Um so erstaunlicher ist es, wie einfach sich Kinder das komplexe Gebilde der Muttersprache aneignen. In den ersten Lebensjahren leisten Kinder daher eine sprachliche Sensation. Kleinkinder können durch die Kommunikation mit ihrer Umwelt in Kontakt treten und somit ihre Absichten, Bedürfnisse und Emotionen sprachlich mitteilen.

Der Prozess des Spracherwerbs verläuft in festgelegten Stufen ab, die sich nicht programmieren lassen (vgl. Weigl, S. 14). "Die Abfolge der Stadien, die das Kind durchläuft, die Dauer einzelner Etappen, werden nicht vom Programm der Mutter bestimmt, sondern hauptsächlich davon, was das Kind selbst aus der Umwelt aufnimmt" (Wygotskiw, S. 256). Mit anderen Worten: Das Kind bestimmt sein eigenes Programm der Sprache. Dieser Lernvorgang wird als spontanes Lernen bezeichnet. Die Aufgabe der Pädagogen ist es, geeignete Bedingungen für den Spracherwerb zu schaffen und den Sprachprozess unterstützend zu begleiten. Pädagogen singen deshalb beispielsweise Lieder, zeigen den Kindern Fingerspiele, erzählen Geschichten und sind auch selbst ein sprachliches Vorbild.

Die Sprachentwicklung ist leicht störbar

Einige Kinder haben Schwierigkeiten beim Erlernen des Sprache. Manche Kinder können beispielsweise Laute nicht richtig bilden, stottern, sprechen undeutlich oder verweigern völlig die Kommunikation. In den linguistischen Ebenen der Sprache (Phonologie, Semantik, Morphologie und Syntax) können verschiedenste Störungen vorliegen. Die Störungen der Sprachentwicklung haben große Auswirkungen auf die gesamte Entwicklung eines Kindes. Kinder, deren Sprachentwicklung nicht altersgemäß erfolgt, ziehen sich oft zurück, werden aggressiv, haben Kontaktschwierigkeiten zu anderen Kindern, können Bedürfnisse nicht mitteilen oder können ihre Persönlichkeit nicht entfalten. Sprachauffällige Kinder leiden daher unter Umständen an komplexen Beeinträchtigungen und benötigen eine ganzheitliche Förderung, die möglichst früh beginnen sollte. Eine therapeutische Förderung sollte schon im Vorschulalter einsetzen.

"Um Auffälligkeiten der kindlichen Sprache erkennen und beschreiben zu können, ist es notwendig, sich mit der normalen Sprachentwicklung des Kindes zu befassen" (Fendrich, S. 12). Es folgt daher zuerst eine Beschreibung der linguistische Ebenen und der zeitlichen Phasen der normalen Sprachentwicklung.

Quellen und weitere Fachliteratur

Über die Autorin/den Autor
Diana Saft ist staatlich anerkannte Heilpädagogin und Heilerziehungspflegerin. Sie sammelte bisher Erfahrungen in einem Seniorenheim, in einem Wohnheim für Menschen mit Behinderungen, in einem integrativen Kindergarten und in einem deutschen Kindergarten in den USA.

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