Die nicht-direktive Spieltherapie nach Virginia Axline

Die nicht-direktive Spieltherapie nach Virginia Axline

Dieser Artikel bietet einen Einstieg in die von V. Axline entwickelte "nicht-direktive Spieltherapie". Sie erhalten Informationen über die Zielgruppe, die Methoden und die Grundprinzipien dieser Therapie für Kinder.

Einleitung

Dr. Virginia Axline ist eine anerkannte Pädagogin und Kinderpsychologin. Sie schrieb aufgrund jahrelanger Forschungsarbeiten das Buch "Play Therapy" (1947), das jedoch erst 1971 in Deutschland publiziert wurde (deutscher Titel: "Kinder-Spieltherapie im nichtdirekten Verfahren").

Die nicht-direktive Spieltherapie von Axline ist eine Behandlungsmethode, in Anlehnung an Rogers klientenzentrierte Psychotherapie, zum Aufbau und zur Stärkung des Selbstwertgefühls, des Selbstbewusstseins und des Vertrauens beim Kind. Die nicht-direktive Spieltherapie von Axeline basiert auf der Persönlichkeitstheorie, dem Therapiekonzept und den Therapiezielen von Rogers.

Für welche Kinder ist die nicht-direktive Spieltherapie geeignet?

Die Spieltherapie dient zur Unterstützung der Persönlichkeitsentwicklung für Kinder im Alter von etwa 2-12 Jahren, die ...

  • eine mangelndes Selbstwertgefühl haben
  • ein geringes Selbstbewusstsein haben
  • an Aufmerksamkeitsstörungen leiden
  • soziale Verhaltensstörungen aufweisen
  • an Aggressionen oder Spannungen leiden
  • an Traumatisierungen leiden
  • Bindungsschwierigkeiten aufweisen
  • Scheidungskinder mit emotionalen Problemen sind
  • an psychosomatischen und psychischen Störungen leiden
  • Entwicklungsverzögerungen aufweisen

Die Verfahrensweise der nicht-direktiven Spieltherapie

In einem Spielzimmer hat das Kind die Möglichkeit, sich selbst und seine eigenen Fähigkeiten neu kennenzulernen bzw. sie wiederzuentdecken. Das Spielzimmer ist mit einer Vielfalt von Spielsachen ausgestattet. Das Kind darf selbst entscheiden, welche Spiele es mag und auf welche Art es spielt. Das Kind übernimmt die Führung bei den selbst ausgewählten Spielen, nicht der Heilpädagoge. Das Kind hat somit die Möglichkeit, seine Gefühle und Konflikte "auszuspielen". Man kann dies z. B. mit einer Therapie eines Erwachsenen vergleichen, der sich in der Therapie über seine Schwierigkeiten "ausspricht" (Axline 1997, S.14). Die Möglichkeit seine Gefühle und Konflikte "auszuspielen" ist aber nur durch die gewährende Haltung des Heilpädagogen und dessen Akzeptanz dem Kind gegenüber möglich. Diese Haltungen stellt Axline in folgenden acht Grundprinzipien zusammen, welche die Basis der Spieltherapie sind (Axline 1997, S. 73-131):

  1. Der Therapeut muss eine warme und freundliche Beziehung zum Kind aufnehmen, die sobald wie möglich zu einem guten Kontakt führt.
  2. Der Therapeut nimmt das Kind ganz so an, wie es ist.
  3. Der Therapeut gründet seine Beziehung zum Kind auf eine Atmosphäre des Gewährenlassens, so dass das Kind all seine Gefühle frei und ungehemmt ausdrücken kann.
  4. Der Therapeut ist wachsam, um die Gefühle, die das Kind ausdrücken möchte, zu erkennen, er reflektiert sie (...).
  5. Der Therapeut achtet die Fähigkeit des Kindes, mit seinen Schwierigkeiten selbst fertig zu werden, wenn man ihm Gelegenheit dazu gibt (...).
  6. Der Therapeut versucht nicht, die Handlungen oder Gespräche des Kindes zu beeinflussen. Das Kind weist ihm den Weg. Der Therapeut folgt ihm.
  7. Der Therapeut versucht nicht, den Gang der Therapie zu beschleunigen.
  8. Der Therapeut setzt nur dort Grenzen, wo diese notwendig sind (...).

Wenn der Heilpädagoge nach diesen Grundprinzipien arbeitet, fühlt sich das Kind in seinem Verhalten akzeptiert und wird nicht abgelehnt. Das Kind gewinnt Sicherheit und Vertrauen zum Heilpädagogen.

Welche Aufgabe hat der Heilpädagoge während der nicht-direktiven Spieltherapie?

Während des Spiels gelangen verdrängte Emotionen an die Oberfläche. Die Aufgabe des Heilpädagogen ist es, die Gefühle des Kindes zu erkennen und widerzuspiegeln. Dabei bedient sich der Heilpädagoge der spielbegleitenden Sprache. Die Gefühle des Kindes werden von dem Heilpädagogen durch Mimik, Gestik, Blickkontakt, selten aber mit Worten, widergespiegelt. Durch das Widerspiegeln und Verbalisieren von spielerisch dargestellten Gefühlen, fühlt sich das Kind angenommen und verstanden. Auf diese Art und Weise lernt das Kind sich selbst besser kennen. Das Kind wird in seinen Gefühlsleben gestärkt und kann lernen, sein Verhalten zu verändern oder wieder neu einzuorden. Der Heilpädage trägt hier die Rolle des einfühlsamen Begleiters, der meistens durch das Mitspielen und durch nonverbales Handeln mit dem Kind in Kontakt steht.

Bücher

  • Axeline Virginia, (1997): Kinder-Spieltherapie im nichtdirektivem Verfahren. 9. Auflage. Ernst Reinhardt, München/Basel
  • Bundschuh Konrad, (2002): Heilpädagogische Psychologie. 3. Auflage. Ernst Reinhardt, München/Basel
Über die Autorin/den Autor
Diana Saft ist staatlich anerkannte Heilpädagogin und Heilerziehungspflegerin. Sie sammelte bisher Erfahrungen in einem Seniorenheim, in einem Wohnheim für Menschen mit Behinderungen, in einem integrativen Kindergarten und in einem deutschen Kindergarten in den USA.

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