Die Spielentwicklung des Kindes

Die Spielentwicklung des Kindes

Dieser Artikel bietet einen Überblick über die Formen des Spiels bei Kindern: Funktionsspiel, Symbolspiel, Konstruktionsspiel, Rollenspiel, Regelspiel

Dieser Artikel ist eine Zusammenfassung aus dem "Lehrbuch der heilpädagogischen Übungsbehandlung", Winter Verlag.

Funktionsspiel

Das Funktionsspiel (auch sensomotorisches Spiel genannt) ist die erste Form des Spielens bei Kindern von 0 bis etwa 2 Jahre. Die Motivation im Funktionsspiel ist die Funktionslust und das Wiederholungsprinzip. Durch die Wiederholungen werden neue Fähigkeiten eingeübt. Der Säugling führt zuerst lustvolle Bewegungen zum Erforschen seines Körpers aus. Später kommt das Hantieren mit Gegenständen hinzu. Daher wird das Funktionsspiel unterteilt in körperbezogen und gegenstandsbezogen.

Körperbezogenes Funktionsspiel

Säuglinge erforschen aus Freude an der Bewegung ihren Körper. Anfänglich sind die Bewegungen noch ungesteuert und ungerichtet. Später werden die Bewegungen bewusst gesteuert (z. B. Finger in den Mund stecken, greifen, festhalten) und wiederholt. Die Bewegung werden wiederholt, wenn es Freude bereiten oder Erfolgserlebnisse vermitteln. Die Wahrnehmung wird gefördert, indem das Kind sensorische Funktionen (taktil, akustisch, visuell) sowie fein- und grobmotorische Funktionen aufeinander abgestimmt. Piaget spricht von den ersten sensomotorischen Koordinationsleistungen. Durch die senso-motorischen Tätigkeiten entsteht das Körperimago im Sinne eines Körpergefühls, welches sich im Laufe der Entwicklung des Kindes ausdifferenziert (vgl. Clara von Oy, "Lehrbuch der heilpädagogischen Übungsbehandlung", S. 127). "Diese basalen Wahrnehmungsverarbeitungen ermöglichen erst die serialen und intentionalen Leistungen, auf denen sich eine Symbolfähigkeit aufbauen kann" (Clara Maria von Oy, S. 127).

Gegenstandsbezogenes Funktionsspiel

Mit der Entwicklung des Greifens werden Gegenstände zum Spiel ausgewählt. Das Kleinkind greift nach den Gegenständen oder Personen, die es sieht. Später dann entdeckt es den Effekt neu und versucht, dies zu wiederholen. Der Übungs- und Gedächtniseffekt tritt ein. So nehmen Säuglinge z. B. eine Rassel in die Hand, stecken sie in den Mund oder lassen sie immer wieder auf den Boden fallen. Ab dieser Zeit werden Gegenstände "funktionell" in das Spiel einbezogen. Typische Tätigkeiten können in dieser Zeit beobachtet werden:

  • Schlagen,
  • Schütteln,
  • Reiben,
  • Stoßen,
  • Ziehen,
  • Werfen,
  • Aneinanderhalten,
  • Aneinanderschlagen,
  • Aus- und Einräumen

(vgl. Clara von Oy, S. 128).

Mit der selbstständigen Erkundung des Spielmaterials beginnt das Kleinkind, sich immer mehr mit der dinglichen Umwelt auseinanderzusetzen. So lernt das Kind spielerisch, dass es verschiedene Oberflächenbeschaffenheiten, Größen, Farben, Formen und Gewichte gibt. Diese Materialerfahrung sammelt der Säugling in der ersten Zeit vorwiegend durch orales Erkunden, indem er Rasseln, Beißringe usw. in den Mund steckt.

Die ersten Hand-Auge-Koordinationen entstehen in dieser Zeit. Am Beispiel einer Rassel lässt sich dies gut verdeutlichen. Der Säugling schüttelt eine Rassel, ein Geräusch ertönt. Er fixiert die Rassel visuell und sucht mit den Augen nach der Geräuschquelle. Dabei dreht er den Kopf in die Richtung, aus der das Geräusch kommt.

Symbolspiel

Das Kind beginnt ab ca. 2;6 Jahren (Kurzschreibweise für 2 Jahre, 6 Monate) fiktive Handlungen zu spielen. Meist beobachtet es seine Eltern und versucht die Handlung nachzuspielen. Man nennt dieses Spiel auch "So-tun-als-ob-Spiel". Objektkonstanz: Dies ist die Voraussetzung für die Entwicklung der Symbolspiele. Das Kind soll sich einen Gegenstand merken, auch wenn er nicht mehr zu sehen ist. Aufgeschobene Nachahmungsleistungen sind dann möglich.

Konstruktionspiel

Im Konstruktionsspiel wird durch eigenes Tun ein Ziel erreicht. Das Ziel setzt sich das Kind selbst (z. B. "Ich baue ein Haus"). Dieses Vorhaben kann zu Erfolg oder Misserfolg führen. Kinder nutzen die Erfahrungen aus dem Funktionsspiel über die Materialbeschaffenheit. Das Kind lernt, sich zu organisieren. Dies ist die Zeit des aktiven Experimentierens. Im Zusammenhang mit dem Konstruktionsspiel wird oft der Begriff "planvolles Vorausschauen" verwendet. Das Kind muss sein Handeln planen, um zum Beispiel zu wissen: “Was brauche ich für eine Ritterburg?" Das Kind kann nun einen Gegenstand durch einen anderen ersetzen, z. B. ein Auto durch einen Baustein. Das Kind entwickelt die Fähigkeit, sich Dinge vorzustellen bzw. "inneres Handeln" zu vollziehen.

Rollenspiel

Im Rollenspiel lernt das Kind soziale Verhaltensregeln kennen. Das Kind nimmt soziale Rollen ein, meist ahmt es dazu Erwachsene nach. Typische Spiele sind Mutter-Vater-Kind-Spiele oder Doktorspiele. Dies dient als Mittel, um ein bestimmtes Ziel zu realisieren. Kinder verarbeiten im Rollenspiel positive und negative Erfahrungen. Oft erlebt man, dass schüchterne Kinder im Rollenspiel Helden sein wollen. Dabei hat das Kind die Möglichkeit, verschiedenen Konfliktlösestrategien zu probieren.

Regelspiel

Das Regelspiel setzt ein hohes kognitives Entwicklungsniveau voraus. Voraussetzung ist, dass sich das Kind verbal oder non-verbal äußern kann. Wenn der Perspektivenwechsel erfolgt ist, kann das Kind den Blickwinkel anderer einnehmen und eine eigene Sichtweise entwickeln. Dies ist eine weitere Voraussetzung für das Regelspiel. Das Kind muss zudem lernen, sich an Abmachungen zu halten. Es lernt Regeln und Grenzen kennen und soll eine angemessene Frustationstoleranz entwickeln. Hierbei erfährt es eine Steigerung des Selbstwertgefühls.

"Jedes Spiel steht in einer Wechselwirkung zur kognitiven Entwicklung des Kindes." (Clara Maria von Oy)

Über die Autorin/den Autor
Diana Saft ist staatlich anerkannte Heilpädagogin und Heilerziehungspflegerin. Sie sammelte bisher Erfahrungen in einem Seniorenheim, in einem Wohnheim für Menschen mit Behinderungen, in einem integrativen Kindergarten und in einem deutschen Kindergarten in den USA.

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