Ausbildung zur staatlich anerkannten Heilpädagogin / zum staatlich anerkannten Heilpädagogen

Ausbildung zur staatlich anerkannten Heilpädagogin

In diesem Artikel geht es um die Berufsausbildung zur staatlich anerkannten Heilpädagogin bzw. zum staatlich anerkannten Heilpädagogen. Sie erhalten Informationen u.a. über Zugangsvoraussetzungen und Berufsaussichten.

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Zugunsten der einfacheren Lesbarkeit werden nachfolgend nur die weiblichen Berufsbezeichnungen verwendet, z. B. "Heilpädagogin". Damit sind jedoch ebenso männliche Berufsbezeichnungen gemeint, z. B. "Heilpädagoge".

Zugangsvoraussetzungen

Um eine Ausbildung zur staatlich anerkannten Heilpädagogin absolvieren zu können, ist eine vorhergehende, einschlägige Berufsausbildung notwendig, beispielsweise Erzieherin oder Heilerziehungspflegerin. Je nach Bundesland muss man mindestens ein bis zwei Jahre Berufserfahrung in diesem vorhergehenden Beruf vorweisen können.

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Dauer der Ausbildung

Die Ausbildung zur Heilpädagogin dauert in der Regel 24 Monate in Vollzeitform. Einige Ausbildungsstätten bieten jedoch auch eine verkürzte Ausbildungsdauer von 18 Monaten an. Berufsbegleitend kann man die Ausbildung zur Heilpädagogin in 4 Jahren absolvieren.

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Kosten der Ausbildung

Hier ist zwischen staatlichen und privaten Bildungseinrichtungen zu unterscheiden. Staatlich getragene Ausbildungsstätten kosten in der Regel kein Schulgeld oder Ähnliches. Privatwirtschaftliche Bildungseinrichtungen stellen hingegen ein monatliches Schulgeld in Rechnung. Dieses liegt oft bei etwa 100 bis 250 Euro pro Monat.

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Ausbildungsinhalte

Die angehenden Heilpädagoginnen werden dazu befähigt, Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die Verhaltensauffälligkeiten, Beeinträchtigungen oder Behinderungen aufweisen, heilpädagogisch zu fördern. Der Unterricht besteht meist aus einem theoretischen Teil (heilpädagogische Didaktik) und aus einem praktischen Teil (heilpädagogische Methoden). Zu den theoretischen Unterrichtsfächern können unter anderem gehören:

  • Heilpädagogik
  • Pädagogik
  • Psychologie
  • Medizin
  • Soziologie
  • Rechtskunde

Um beispielsweise eine gute Erziehungsberatung leisten zu können, werden im Fach "Psychologie" entsprechende fachtheoretische Grundlagen vermittelt. So erhalten die Auszubildenden einen Einblick in das systemische Arbeiten von Psychologen. Auch das Erstellen von Förderplänen und Behandlungsplänen wird gelehrt.

Im fachpraktischen Unterricht werden die Grundlagen der heilpädagogischen Methoden vermittelt. Nach den Richtlinien des Berufsverbandes der Heilpädagogik (BHP) werden folgende heilpädagogische Methoden angewendet:

  • Psychomotorik
  • Wahrnehmungsförderung
  • Kinesiologische Übungen
  • Heilpädagogisches Spiel
  • Heilpädagogische Übungsbehandlung bzw. Entwicklungsförderung
  • Spieltherapie im nicht-direktiven Verfahren
  • Rhythmisch-musische Angebote
  • Heilpädagogische Sprachförderung
  • Verhaltensmodifikation
  • Kreatives Werken und Gestalten, Tanz
  • Entspannungsmethoden
  • Systemische Beratung
  • Gesprächsführung

Während der Ausbildung absolvieren die Auszubildenden mehrwöchige Praktika in verschiedenen heilpädagogischen Arbeitsfeldern. Die Auszubildenden werden dabei durch eine Mentorin (i.d.R. eine Leherin) betreut. Diese unterstützt die Auszubildenden z. B. beim Schreiben von heilpädagogischen Ersteinschätzungen oder beim Erstellen von Förderplänen.

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Berufspraxis von Heilpädagoginnen/Heilpädagogen

Häufige Tätigkeiten von Heilpädagoginnen sind:

  • Diagnostizieren von Entwicklungsstörungen
  • Erstellen von Förderplänen bzw. Behandlungsplänen
  • Durchführen von Elterngesprächen bzw. Beratungen

Anhand von Förderplänen werden die individuellen Ressourcen und Fähigkeiten eines Klienten herausgearbeitet. Denn "heilpädagogisch arbeiten" heißt "ressourcenorientiert arbeiten". Heilpädagoginnen setzen nicht bei den Defiziten der Patienten an, sondern sie handeln ganzheitlich. Der Begriff "Ganzheitlichkeit" ist der wichtigste Grundgedanke in der Heilpädagogik. So wird beispielsweise ein sprachauffälliges Kind nicht nur mit Sprachübungen gefördert, sondern das Kind als Ganzes (sein Körper, seine Psyche) wird in die Übungen einbezogen.

Im Rahmen einer heilpädagogischen Förderung treten Heilpädagoginnen häufig auch als Berater gegenüber den Erziehungsberechtige auf.

Heilpädagoginnen arbeiten interdisziplinär. Bei sprachauffälligen Kindern arbeitet sie beispielsweise eng mit Logopädinnen zusammen, um fachtheoretische Hindergründe für die Sprachauffälligkeit zu erfahren.

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Berufsaussichten in der Heilpädagogik

Nach erfolgreich abgeschlossener Ausbildung sind sie berechtigt, die Berufszeichnung "Staatlich anerkannte Heilpädagogin" bzw. "Staatlich anerkannter Heilpädagoge" zu führen. Diese staatliche Anerkennung gilt bundesweit. Heilpädagoginnen können eine eigene Praxis führen oder in einem Angestelltenverhältnis arbeiten. Nachfolgend eine (unvollständige) Liste mit möglichen Arbeitsfeldern:

  • Sonderkindergärten
  • Schulkindergärten
  • integrative Kindertagesstätten
  • Heilpädagogische Tageseinrichtungen und Heime
  • Frühförderstellen
  • Sozialpädagogische Familienhilfe
  • schulische Förderzentren
  • Sonderschulen
  • Einrichtungen für behinderte Menschen
  • Kliniken, Krankenhäuser
  • Kinder- und Jugendpsychiatrie
  • Ambulante Maßnahmen (z. B. Einzelintegration von Behinderung bedrohter Kinder in Regelkindergärten)
  • intensive Einzelbetreuung
  • Jugendsozialarbeit
  • Beratungsstellen (z. B. Erziehungsberatungsstelle)
  • Heilpädagogische Praxen

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Quellen

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Über die Autorin/den Autor
Diana Saft ist staatlich anerkannte Heilpädagogin und Heilerziehungspflegerin. Sie sammelte bisher Erfahrungen in einem Seniorenheim, in einem Wohnheim für Menschen mit Behinderungen, in einem integrativen Kindergarten und in einem deutschen Kindergarten in den USA.

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