Der Baumtest

Der Baumtest

In diesem Artikel erhalten Sie eine Einführung in den bekannten "Baumtest". Themen sind Zielgruppe und Ziel, Zuverlässigkeit, Voraussetzungen und Deutung des Baumtests.

Dieser Artikel ist eine Zusammenfassung aus dem Buch "Der Baumtest" von Karl Koch, Verlag Huber.

Zielgruppe

Der Baumtest ist für Kinder ab 6 Jahren geeignet. Es handelt sich hierbei um einen projektiven Test mit thematischem Zeichnen. Der Baumtest wird als diagnostisches Hilfsmittel eingesetzt, besonders im Bereich der Schulpsychologie, der Kinderpsychiatrie und in der Heilpädagogik.

Ziel des Baumtests

Ziel des Baumtests ist es, etwas über die Persönlichkeit des Probanden zu erfahren. Was sind seine eigenen Empfindungen, Gefühlen und Reaktionen. Der Baumtest gibt dem Heilpädagogen Hinweise über den Entwicklungsstand des Probanden.

Zuverlässigkeit des Baumtests

Der Baumtest kann nicht als alleiniges diagnostisches Mittel eingesetzt werden. Wichtig ist besonders die Anamnese, die einen Überblick über die Familienstruktur verschaffen soll. Als Gegenkontrolle sollten noch andere Tests oder - bei Kindern - Spielbeobachtungen durchgeführt werden. Sehr kritisch kann z. B. die Deutung der psychometrischen Kennzahlen (Wittgenstein-Index, siehe weiter unten) gesehen werden. Was in Kochs Beschreibung des Baumtestes u.a. nicht berücksichtigt wird, ist die Eigeninterpretation des Probanden. Außerdem wird der kreative Teil des Baumtests nicht beschrieben: Was hat der Proband zuletzt gemalt? Fing er mit den Wurzeln an oder mit der Krone? Wie war die Stifthaltung des Probanden? Auch dies kann Aufschluss über die Identität des Probanden geben.

Voraussetzungen und Durchführung

Bei dem Baumtest soll der Proband sich einen Baum vorstellen und diesen zeichnen. Dafür braucht er nur ein Blatt Papier und einen Bleistift. Beim Malen lösen sich unbewusst Emotionen. Nachdem der Proband den Baum zu Ende gemalt hat, zieht der Heilpädagoge Rückschlüsse auf die Persönlichkeit des Probanden. Hier ist es wichtig, dass der Heilpädagoge genügend Erfahrungen mit dem Baumtest hat. Es gab bereits mehrere Untersuchungen an Schulkindern und Erwachsenen. Daher findet man im Buch grafische Darstellungen und Tabellen über Durchschnittswerte. Leider fehlen grafische Darstellungen von Kinderzeichnungen in dem Buch.

Deutung des Baumtests

Mithilfe von Deutungen wird der Baumtest interpretiert. Dabei gibt es verschiedene Merkmale, auf die der Heilpädagoge achten sollte und die ihm bei der Interpretation helfen:

Biographie des Probanden

Bevor man mit einem Probanden einen Baumtest durchführt, sollte man dessen Biographie kennen. Hierzu wird bei Kindern ein Anamnesegespräch mit den Eltern oder einem Elternteil geführt. Bei Erwachsenen sollte ein Anamnesegespräch vorher erfolgen, um einen Einblick in die Familienstruktur zu erhalten. Möglicherweise erfährt der Heilpädagoge schon bei der Anamnese etwas über die Familienzusammensetzung und die Atmosphäre, die in der Familie gerade herrscht. Wichtige Merkmale sollte der Heilpädagoge dabei im Hinterkopf haben, z. B. wenn die Eltern eines Kindes sich gerade erst getrennt haben. Es ist für die Beurteilung wichtig, den Entwicklungsstand und die Kultur des Probanden zu berücksichtigen. Außerdem sollte insbesondere bei Kindern sichergestellt werden, dass sie Erfahrungen mit Bäumen haben.

Die psychologische Bedeutung des Baumes

Ein Baum ist grob aus drei Teil aufgebaut:
  • Wurzel (steht für die Triebe)
  • Stamm (steht für die Emotionalität)
  • Krone (steht für kognitive Fähigkeiten)

Bedeutung der Wurzeln

Was bedeutet es, wenn der Proband keine Wurzel malt? Seine Triebenergie könnte blockiert sein. Es gibt - im übertragenen Sinne - keinen Untergrund, keinen sicheren Halt. Probanden mit Haltschwächen malen hingegen häufig auffällig große Wurzeln. Malt der Proband hingegen nur ein paar Wurzeln, liegt dies im "normalen" Bereich. Malt der Proband eine waagerechte Linie zwischen dem Stamm und der Wurzel (er möchte z. B. den Erdboden andeuten), könnte dies ein Zeichen für ein Doppelleben sein.

Bedeutung des Baumstamms

Je kräftiger der Stamm ist, desto besser trägt er die Krone. Ein "Strichstamm" könnte auf eine Entwicklungshemmung oder Regression hinweisen (vgl. Koch, "Der Baumtest", S. 63). Malt der Proband den Stamm als unregelmäßige Kontur, könnte dies ein Zeichen für innere Verwundbarkeit, seelische Traumata, Konflikte, Hemmungen, Anpassungsschwierigkeiten oder Eigensinn sein (vgl. Koch, "Der Baumtest", S. 133). Enthält der Stamm ein Loch oder eine Krümmung, könnte dies als Hinweis auf ein traumatisches Erlebnis gedeutet werden. Eine "Narbe" im Stamm könnte bedeuten, dass von Außen etwas zerstört wurde.

Bedeutung der Baumkrone

Zeichnet der Proband eine kleine Krone, hingegen aber einen dicken Stamm, kann dies bedeuten, dass die Krone (Kognition) noch wächst. Trägt die gemalte Krone Früchte und Blüten, könnte dies als Zeichen für Fruchtbarkeit (bei Erwachsenen) gesehen werden. Früchte bedeuten u. A. Kinderwunsch, gute Beziehung zu Geschwistern und Freunden. Wird die Krone mit einem äußeren Rand gemalt, dann "wuchert" die Krone nicht, sondern alles bewegt sich in seinen Grenzen und der Proband zieht sich eher zurück. Werden viele Blätter gemalt, kann dies für gute soziale Kompetenz stehen. Malt der Proband herunterfallende Blätter, so könnte dies als etwas Verlorenes interpretiert werden.

Der Wittgenstein-Index

Der deutsche Nervenarzt Dr. Graf Wittgenstein machte beim Baumtest eine erstaunliche Entdeckung: Wenn man die Höhe des Baumes, in Millimetern ausgedrückt, und durch das Alter des Probanden dividiert, erhält man eine Indexzahl. Wenn man nun die Höhe einer wahrscheinlichen Knickung des Stamm nimmt und diese durch die Indexzahl teilt, erhält der Heilpädagoge möglicherweise einen bedeutsamen Hinweis auf die Erlebnisse des Probanden in diesem Alter (vgl. Koch, "Der Baumtest", S. 37 und S. 45). Der Wittgenstein-Index ist jedoch sehr umstritten.

Weiterführende Informationen zum Thema "Baumtest"

Über die Autorin/den Autor
Diana Saft ist staatlich anerkannte Heilpädagogin und Heilerziehungspflegerin. Sie sammelte bisher Erfahrungen in einem Seniorenheim, in einem Wohnheim für Menschen mit Behinderungen, in einem integrativen Kindergarten und in einem deutschen Kindergarten in den USA.

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