Systematik und Definitionen

Systematik und Definitionen

Definition von "Sprachstörung" und "Sprachbehinderung"

Das umfassendste Begriffsverständnis entwickelte G. Knura, die klar zwischen "Sprachstörungen" und "Sprachbehinderung" unterscheidet. "Sprachstörungen" definiert sie folgendermaßen:

"[...] individuell unterschiedlich verursachte und ausgeprägte Unfähigkeit zum regelhaften, alters- und entwicklungsgerechten Gebrauch der Muttersprache, die sich auf eine, mehrere oder alle Strukturebenen und Teilfunktionen des Sprachsystems erstrecken und vorübergehend, langandauernd oder bleibend sein
kann".

"Sprachbehinderung" definiert sie als "die durch die Sprachstörung bewirkte Gefährdung oder Beeinträchtigung der Persönlichkeits- und Sozialentwicklung sowie der seelisch-geistigen und körperlichen Leistungsfähigkeit." (G. Knura, Pädagogik der Sprachbehinderten, Berlin, 1980, S.3- 11).

Sprachentwicklungsstörungen treten oft im Rahmen von Entwicklungsverzögerungen, -störungen oder -behinderungen auf. Da jedes Kind auf seine Art und in seinem Tempo Sprache erlernt, sind die Anzeichen der Störung nicht eindeutig.

Definition „Sprachentwicklungsstörung"

„Bei Sprachentwicklungsstörungen handelt es sich um einen verzögerten und beeinträchtigten Spracherwerb ab der frühen Kindheit." (vgl. auch im folgenden H.-C. Steinhausen (2000), S. 203)

„Diese unterschiedlichsten Störungen betreffen Teilfunktionen des Sprechens, der Sprache, der Stimme, des Sprachverstehens oder der Kommunikationsfähigkeit. Manchmal sind alle Fähigkeiten betroffen, sodass ein korrekter, altersgerechter Sprachgebrauch überhaupt nicht
möglich ist." (Siegrun von Loh, Entwicklungsstörungen bei Kindern, S. 300) Die Sprachentwicklungsstörungen können hierbei vorübergehend, langandauerend oder bleibend sein. Die Ausprägung und Auswirkung der jeweiligen sprachentwicklungsstörung ist sehr verschieden.

Definition und Systematik der verbalen Entwickungsdyspraxie

Die sprachlichen Äußerungen von Kindern mit verbaler Entwicklungsdyspraxie sind weitgehend unverständlich. Dies kommt daher, dass die phonologischen Fehler keinem bestimmten Muster folgen, sondern variabel sind. „Bei der verbalen Entwicklungsdyspraxie wird die Sprache noch vor dem vollständigen Erwerb gestört. Das gesamte sich gerade entwickelnde Sprachsystem, der Aufbau des Lexikons und der Erwerb eines morphosyntaktischen und phonologischen Regelsystems werden gestört." (Anne Schulte Mäter, verbale Entwicklungsdyspraxie, S. 22) Alle linguistischen Ebenen
sind von dieser Störung betroffen. Es liegen keine organischen Schäden oder funktionelle Defizite in der Sprechmuskulatur vor, es handelt sich um eine Störung der willentlichen Sprechbewegungen. Dabei ist das Bewegungsmuster im Bewegungsrepertoire oder der
Begriff im Wortschatz vorhanden. Dem Kind gelingt es allerdings nicht, das in einem bestimmten Moment geforderte Bewegungsmuster abzurufen.

Über die Autorin/den Autor
Diana Saft ist staatlich anerkannte Heilpädagogin und Heilerziehungspflegerin. Sie sammelte bisher Erfahrungen in einem Seniorenheim, in einem Wohnheim für Menschen mit Behinderungen, in einem integrativen Kindergarten und in einem deutschen Kindergarten in den USA.

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