2.1.2 Psychomotorische Förderung, Teil 1

Psychomotorische Förderung Teil 1

Der heutige Ansatz der Psychomotorik ist erlebnisorientiert und sieht das Kind als eigenständiges, aktives wie auch selbstbestimmendes Wesen an, dass sich die Welt über Bewegung sinnlich aneignet. Dabei lässt die psychomotorische Erziehung einerseits einen großen Spielraum für individuelle Interessen, indem sie die Neugierde der Kinder weckt und das Bedürfnis nach neuen Erfahrungen unterstützt. Andererseits berücksichtigt die psychomotorische Erziehung wie Zimmer (2009, S. 24) erläutert, „die unterschiedlichen Bedeutungen, die Bewegung für Kinder haben kann." Zu den grundlegenden Inhalten der psychomotorischen Erziehung gehören einerseits die erlebnisreichen Bewegungsangebote wie auch spannende Spielhandlungen, die zur Förderung der sinnlichen Wahrnehmung beitragen (Zimmer, 2009, S. 24-25). Über Bewegungs- und Wahrnehmungserfahrungen werden grundlegende Lernprozesse in Gang gesetzt, durch die nicht nur die motorische, sondern auch die kognitiven und sozialen Handlungsfähigkeiten erweitert werden (Zimmer & Cicurs, 1999, S. 35).

Ebenso strebt die psychomotorische Förderung das Voranbringen der Gesamtpersön-lichkeitsentwicklung des Kindes an. Dies bedeutet, dass nicht nur die Problemlage des Kindes im Vordergrund steht, sondern auch die Fördermassnahmen, die sich auf die ganze Persönlichkeit mit ihren motorischen, geistigen, emotionalen und sozialen Aspekten richten (Fischer, 2009, S. 296). Dabei soll das Selbstwertgefühl des Kindes gestärkt und seine motorischen Entwicklung über positive (Beweguns-) Erlebnisse gefördert werden (Berger Wysser, 2007, S. 75). Um eine ganzheitliche Entwicklung zu fördern, ist es von Relevanz, dass Möglichkeiten geschaffen werden, bei denen die Kinder in Situationen eigenverantwortlich mitgestalten können. Dies setzt voraus, dass durch die Kinderorientierung das Kind ernst genommen und ihm Gelegenheit zu einem Lernen gegeben wird, dass ihm wichtig erscheint (Irmischer, 1987, zitiert nach Fischer, 2009, S. 296). Ein weiteres Anliegen der psychomotorischen Förderung lieg darin, die individuellen Handlungsmöglichkeiten eines Kindes zu entfalten (Kiphard, 1980, zitiert nach Zimmer, 2009, S. 38). Damit ein Kind erfolgreich handlungsfähig ist, benötigt es Übungsanregungen in den Bereichen der Wahrnehmung, der Bewegung wie auch aus dem emotional-sozialen Bereich (Zimmer, 2009, S. 39).

Die Psychomotorik berücksichtigt durch zielgerichtete Spiel-, Handlungs- und Bewegungssi-tuationen einerseits grundlegende Handlungsprinzipien, wie z. B. entwicklungsfördernde Be-ziehungsgestaltung. Dies wird sowohl anhand einer positiven Wertschätzung als auch mittels Akzeptanz umgesetzt. Andererseits wird die selbsttätige Handlung durch die Anregung zum selbstständigen, problemlösenden Handeln und den Erwerb von Lösungsstrategien gefördert. Letztlich soll durch ein positives Lernklima, differenziertes Materialangebot sowie durch die Freiheit von Spielthemen das erfahrungs- und bedeutungsschaffende Lernen gefördert werden. Da jedes Kind auf einem anderen Level der Entwicklung ist, müssen die Anforderungssituationen so gewählt werden, dass es den Wahrnehmungs- und Bewertungsprozessen des jeweiligen Kindes entspricht. Die Auseinandersetzung mit Neuem spielt für die Entwicklung des Kindes eine wesentliche Rolle. Denn dadurch entwickelt das Kind neue Fähigkeiten, Ressourcen und Kompetenzen. Durch das Einsetzen dieser Fähigkeiten, Ressourcen und Kompetenzen gelangt das Kind zu Erfahrungen, die ihm mitteilen, dass es selbst etwas bewirken und oder verändern kann. Dies wiederum stärkt sein Selbstwertgefühl (Reichen-bach, 2010, S. 74). Die psychomotorische Erziehung beinhaltet des Weiteren spezielle Fördermöglichkeiten, die sich auf die Bereiche der Wahrnehmung, des Körpererlebens und der Körpererfahrungen sowie auf das soziale Lernen stützt. Somit kann festgehalten werden, dass sich die wesentlichen Inhalte der Psychomotorik in drei Hauptbereiche unterteilen (Zimmer, 2009, S. 23-24):

  • Körper-Erfahrung / Selbst-Erfahrung
    Zu diesem Bereich gehören insbesondere die Wahrnehmung und das Erleben des eigenen Körpers, der Sinneserfahrungen wie auch des Körperbewusstseins. Zudem zählen auch die Erfahrungen der körperlichen Ausdrucksfähigkeiten, der Körper als Ausdruck des psychischen Erlebens sowie die Akzeptanz der eigenen Person dazu.
  • Material-Erfahrung
    Die Auseinandersetzung mit den räumlichen und den gegenständlichen Gegebenheiten der Umwelt werden in diesem Bereich thematisiert. Ferner werden physikalische Gesetzmässigkeiten wie Gleichgewicht oder Schwerkraft und Widerstand sowie Fliehkraft erfahren. Des Weiteren soll sich das Kind den materialen Eigenschaften der Objekte anpassen beziehungsweise sie sich anpassend machen. Letztlich soll auch in diesem Bereich das erkundende und experimentelle Lernen über Bewegung stattfinden.
  • Sozial-Erfahrung
    In diesem Bereich wird besonders mit anderen Kindern über Bewegung kommuni-ziert, aber auch durch das Aufstellen gemeinsamer Regeln. Die Kinder sollen Erfahrungen von Nähe und Distanz sammeln und mit der Kooperation und der Konkurrenz vertraut werden.

Zusammenfassend kann nach Zimmer (2009, S. 24) festgehalten werden, dass erlebnisreiche Bewegungsangebote im Vordergrund stehen, „die dem Kind die Möglichkeit geben, sich selbst als wichtiges Mitglied der Gruppe zu erfahren, die den Aufbau eines positiven Selbst-konzeptes unterstützen und ihm Erfahrungen des Selber-Wirksam-Seins vermitteln." Hinzu-zufügen ist, dass darauf geachtet werden sollte, dass das Kind folgende Erfahrungen wäh-rend der psychomotorischen Förderung machen kann (Zimmer, 2009, S. 141):

  • Das Kind soll sich selbst als Verursacher einer Handlung erleben.
  • Das Kind soll Misserfolg und Erfolg einer Handlung auf die eigene Person zurückführen können.
  • Das Kind soll Verantwortung für das eigene Handeln übernehmen.
  • Das Kind soll Alternativen für störende Verhaltensweise kennen lernen und diese in das eigene Verhalten integrieren

Abschliessend kann festgestellt werden, dass die Psychomotorik die kognitive, emotionale und soziale Entwicklung eines Kindes beeinflusst (Bründler, 2007, S. 71).

Über die Autorin/den Autor
Claudia Bucher schloss 2012 Ihr Lehramt-Studium mit Schwerpunkt Psychomotorik an der Pädagogischen Hochschule Zentralschweiz ab.

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