Wie lange darf ein Kind fernsehen? Tipps für Eltern

Wie lange darf ein Kind fernsehen? Tipps für Eltern

Fernsehen gehört zum Alltag für die meisten Kinder und ist meist gar nicht mehr wegzudenken. Einige Eltern haben Bedenken, dass das Fernsehen sich negativ auf die kindliche Entwicklung auswirkt. Andere Eltern hingegen sehen keinerlei Gefahren und lassen die Kinder stundenlang fernsehen. So wird das Thema: "Wie lang darf ein Kind fernsehen" immer wieder heiß diskutiert.

Es kommt darauf an, wie lange ein Kind fernsieht und welche Sendungen es sieht. Auch wenn es manchen Eltern schwerfällt, so können und sollten sie den Fernsehkonsum ihrer Kinder positiv beeinflussen.

Was fasziniert Kinder am Fernsehen?

Filme und Serien bieten ständige Abwechslung und Spannung und bringen Kinder zum Lachen. Mit einem Klick können sich Kinder eine „traumhafte Welt“ nach Hause holen. Dabei müssen sie sich überhaupt nicht anstrengen. Außerdem suchen Kinder in den einzelnen Sendungen häufig Vorbilder, egal ob es sie nur Phantasiewesen sind oder ob es sie wirklich gibt. Mit diesen Vorbildern identifizieren sie die Kinder häufig.

Fernsehsendungen erzeugen bei Kindern Emotionen, die auch in den Alltag der Kinder abfärben. Kinder, die beispielsweise häufig Actionserien sehen, empfinden oft auch im Alltag Ängste und Aggressionen. Dies kann gefährlich werden, zumindest wenn der Ausgleich von Freude, Liebe und Glück fehlt. Daher ist es wichtig, einseitigen Fernsehkonsum zu vermeiden.

Wie wirkt sich Fernsehen auf Kleinkinder aus?

Kleinkinder können nicht unterscheiden zwischen Fernsehwelt und realer Welt. Sie können aber nur Dinge richtig er-fassen und be-greifen, die sie mit ihren Händen greifen und fassen können. Alle Umwelterfahrungen in den ersten 4 Lebensjahren sind für die Kinder greifbar. Beim Fernsehen können sie jedoch nicht die greifbaren Erfahrungen machen. In einer Wohnung beispielsweise können Kleinkinder alle Ecken durchsuchen, alles mit ihren Augen bemustern und Gegenstände mit allen Sinnen ertasten. In einen Fernseher können Kinder nicht hineinkriechen. Häufig ist zu beobachten, dass Kinder versuchen, gezeigte Figuren auf dem Fernseher anzufassen. Zudem entspricht die Fernsehwelt nicht der Erfahrungswelt der Kinder. Ein Kind sieht z. B. Luftaufnahmen einer Großstadt und Sekunden später eine Schokoladenwerbung und einen weißen Strand. Die entsprechenden Zusammenhänge können sie nicht er-fassen und be-greifen. Erwachsene können zwischen Fernsehen und realer Welt unterscheiden. Kinder kennen hingegen nur eine Welt, nämlich die der Körpererfahrung. Und diese ist beim Fernsehen außer Kraft gesetzt.

Kinder, die lange vor dem Fernseher sitzen, sind in ihrer Bewegung stark eingeschränkt. Dies ist problematisch, da die Bewegung das Lebenselement der Kinder ist. Denn alle Körper- und Gehirnfunktionen können sich nur bei ausreichend Bewegung ausbilden. Durch das Fernsehen werden die Kinder in ihrem Bewegungsdrang unterdrückt. Daraus kann u. a. Fettleibigkeit resultieren.

Kinder sehen ganz anders

Kinder zwischen dem 4. und 10. Lebensjahr sehen das Gesehene immer noch als Wirklichkeit an. Kinder können auch in diesem Alter noch nicht zweifelsfrei zwischen Fiktivem und Realem unterscheiden.Wenn Kinder in diesem Alter Fernsehen, sollten Eltern beachten, dass die Sinne der Kinder weit offen für alle Einwirkungen von außen sind. Dies bedeutet, die Kinder sind offen für gute Eindrücke - aber auch für schlechte. In der heutigen Zeit sehen Kinder immer mehr Gewalttaten im Fernsehen. Dies kann in Form von Nachrichten, Trickfilmen mit Gewaltanteilen (z. B. "Powerranger") aber auch in Shows wie „Upps die Pannenshow“sein.

Die Darstellung von Gewalt belastet Kinder und führt zu Ängsten. Die Gewaltbilder prägen sich ein und können mitunter Albträume auslösen. Kinder schalten den Fernseher nicht selbstständig auf einen anderen Sender um, wenn Gewaltbilder zu sehen sind, denn sie können nicht auf Distanz gehen. Der Buchautor Patzlaff äußerte zum Thema "Distanz" folgendes: „Die Kinder können noch nicht kritisch hinterfragen, was auf sie zukommt, sie können und wollen nicht auf Distanz gehen zu dem, was ihnen die Welt entgegenbringt, sondern im Gegenteil sich lebhaft damit zu verbinden.“ (Patzlaff, S. 82)

Kinder vor dem Fernseher nicht allein lassen!

Kinder brauchen zunächst die Orientierung am Erwachsenen und können nicht alleine die Medienkompetenz erwerben. Deshalb sollten sich die Eltern immer vor den Augen halten: "Die Angebote, die die Eltern als Information werten und sehen, sehen auch die Kinder" (Patzlaff, S. 84).

Eltern sollten Sendungen, die das kindliche Verfassungsvermögen übersteigen, erst gar nicht anbieten oder erlauben. Viele Filme sind einfach zu komplex, zu drastisch oder zu banal für die Kinder. So sind Nachrichten für Kinder unverständlich und nicht nachvollziehbar. Es wäre besser, die Eltern würden die Nachrichten erst dann anschauen, wenn das Kind bereits im Bett ist. Kinder bis zum Alter von 10 Jahren können die Handlungen in einem Film noch nicht nachvollziehen, sie hangeln sich von Bild zu Bild.

Es ist wichtig, eine geeignete Sendung herauszusuchen. Außerdem sollten Kinder vor dem Fernseher nicht allein gelassen werden. Oft haben sie Fragen zu dem Gesehenen oder wollen sich einfach nur austauschen. Mit der Beantwortung der Fragen findet eine sinnvolle Verarbeitung des Gesehenen statt. Sind die Kinder alleine vor dem Fernsehen, kommt es nicht zur Bewältigung des Gesehenen. Vor Allem ist wichtig, dass Eltern eine klare Autorität zeigen. Beispiel: Eine Fernsehsendung darf das Kind sehen und danach wird der Fernseher abgeschaltet. Eltern sollten hier klare Grenzen setzen und sich durch keine Proteste beirren lassen.

Ab welchem Alter darf ein Kind fernsehen und wie lange?

Kinder unter 3 Jahre

Für viele Eltern stellt sich die Frage, ab wann ein Kind überhaupt Fernsehen darf. Hier ist generell ist zu bedenken, dass Kinder unter 3 Jahren gar nicht fernsehen sollten. Sie können das im Fernsehen Gesehene noch nicht verarbeiten, da ihnen das Hintergrundwissen fehlt und die Sinneswahrnehmungen noch nicht ausreichend ausgeprägt sind.

Kinder von 3 bis 5 Jahre

Kinder von 3-5 Jahren sollten maximal 1/2 Stunde am Tag fernsehen. Sie schauen gerne Trickfilme, die sie in eine Märchen- oder Abenteuerwelt entführen. In diesem Alter können Kinder noch nicht zwischen Phantasie und Realität unterscheiden. Märchen und andere Trickfilme werden in diesem Alter als real erlebt.

Kinder ab 6 Jahre

Bei Kindern ab 6 Jahre ist 1 Stunde Fernsehen am Tag akzeptabel. Sie werden von Handlungen weniger überwältigt.
Mit ca. 6 Jahren beginnen Kinder, sich mit ihrer eigenen Geschlechterrolle zu identifizieren. Dabei schauen viele Jungs gerne Actionfilme, wo sie sich mit einem Helden identifizieren. Viele Mädchen schauen gerne Musikshows und Tierfilme.

Übermäßiger Fernsehkonsum und seine Folgen

Um übermäßigen Fernsehkonsum zu vermeiden, sollten Eltern rechtzeitig Regeln aufstellen und diese auch konsequent durchsetzen. Verbote helfen hier nicht! Am besten, die Kinder suchen sich mit den Eltern zusammen ein Programm aus.

Kinder, die ADS/ADHS haben bzw. oft sehr aufgedreht sind, werden durch Fernsehen zusätzlich gereizt. Folge ist, dass diese Kinder noch mehr Konzentrationsstörungen bekommen. Der schnelle Wechsel von Bildern und lauten Geräuschen begünstigt die für ADS/ADHS typischen Symptome. Nach dem Fernsehen sind dann die Kinder eher aufgedreht. Hier ist es besser, wenn Eltern auf jeden Fall die "Flimmerkiste" ausschalten.

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass hoher Fernsehkonsum sich negativ auf die Sprachentwicklung, auf das Spielverhalten und auf die schulischen Leistungen von Kindern auswirkt. So fanden Dorothy und Jerome Singer heraus, dass Kinder mit hohem Fernsehkonsum geringere Leseleistungen zeigen. Die Vorstellungskraft der Kinder war kaum ausgebildet. Eine Unterscheidung zwischen Wirklichkeit und Fantasie gelang nur wenigen betroffenen Kindern. Die Kinder zeigten eine größere Ruhelosigkeit bis hin zu aggressiven Verhaltensweisen.

In vielen Familien ist zu beobachten, dass der Fernseher oft nebenher läuft, während die Kinder sich mit anderen Sachen beschäftigen - oder es versuchen. Dabei sind die Kinder teils stark abgelenkt und können sich auf die eigentliche Beschäftigung nicht konzentrieren. Eltern sollten daher ganz gezielt Fernsehsendungen anbieten, die altersgerecht sind, den Fernseher in Gegenwart von Kindern aber nicht nebenher laufen lassen.

Welche TV-Sendungen sind pädagogisch wertvoll?

Einige Fernsehsender zeigen spezielle Kindersendungen, die Kinder über das Wissen der Welt informieren. Folgende Kindersendungen sind aus pädagogischer Sicht empfehlenswert:

  • Das Sandmännchen
  • Sendung mit der Maus
  • Löwenzahn
  • Astrid Lindgren Filme
  • Willis Quiz Quark Club (ab 7 Jahre)
  • Sesamstraße (3-6 Jahre)
  • Tigerenten Club (ab 7 Jahre)
  • Märchenfilme (am besten als Trickfilm)
  • Tierfilme
  • Biene Maja
  • Meister Eder und sein Pumuckl (ab 7 Jahre)

Auf der Seite www.flimmo.de werden jeden Tag empfohlene Fernsehsendungen für Kinder von 3 bis 13 Jahren aufgelistet. Dies erleichtert Eltern die Auswahl des Fernsehprogrammes. Die Liste der Fernsehprogramme wird fortlaufend aktualisiert:

Welche Alternativen zum Fernsehen gibt es?

Nachfolgend einige Spielidee und Anregungen für Eltern, die nach Alternativen zum Fernsehen suchen:

  • Malblock, Wachsstifte, Buntstifte, Wassermalfarben
  • Knetmasse, Gipsmasse
  • gemeinsam spazieren gehen (Spielplatzbesuch, Park)
  • witzige Lieder singen
  • Kaufladenspiel / Rollenspiele
  • Spiele für drinnen und draußen ( z.B. Topf schlagen, Sack hüpfen, Eierlauf, Gummitwist, Verstecken spielen, Buden bauen etc)
  • Fußball spielen
  • gemeinsamer Spielabend (z.B. Brettspiele)
  • Puzzle
  • Bilderbücher
  • Bilderrätsel
  • Handarbeiten (z.B. Sticken)
  • Schwimmen gehen etc
  • Eislaufen
  • interessante Orte aufsuchen (Burgen, Schlösser, Sommerrodelbahn)
Über die Autorin/den Autor
Diana Saft ist staatlich anerkannte Heilpädagogin und Heilerziehungspflegerin. Sie sammelte bisher Erfahrungen in einem Seniorenheim, in einem Wohnheim für Menschen mit Behinderungen, in einem integrativen Kindergarten und in einem deutschen Kindergarten in den USA.

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