Präventive Arbeit in einer Familie mit einem Kind mit Autismus, Teil 4

Präventive Arbeit in einer Familie mit einem Kind mit Autismus Teil 4

Als präventiven Einsatz sehe ich an dieser Stelle meine Anwesenheit einerseits zur Entlastung der Mutter und andererseits mein kontinuierliches Angebot von Nähe dem Mädchen gegenüber. Das Mädchen sehnte sich so sehr nach ihrer Mutter, aber konnte sie partout nicht erreichen. Als erste Kontaktperson bot ich mich für die Stunden, die ich mit und bei dem Mädchen verbrachte an, um ein wenig das Gefühl von Geborgenheit, Sicherheit und Permanenz zu vermitteln, wozu die Mutter zu dieser Zeit kaum und der Vater nur kurzzeitig in diesen Tagen in der Lage waren. Weiterhin sorgte ich für die Aufrechterhaltung von gewohnten Routinen im Tagesablauf für das Mädchen sofern möglich und sorgte mich um ihre basalen und grundlegenden Bedürfnisse. Hätte sie in diesen Tagen keine solche stabile Beziehungsperson gehabt, hätte es durchaus sowohl für die Mutter als auch für das Kind zu einer emotionalen und psychischen Krisenzuspitzung kommen können. Das vernachlässigte Kind hätte vermutlich mit Weinen und vermeintlich subtilem Körperkontakt versucht, bei der Mutter ihre Bedürfnisse nach Nähe und Geborgenheit zu befriedigen oder es hätte vollkommen in stereotypes und zwanghaftes Verhalten versinken können. Die Mutter wäre vollkommen überfordert gewesen, die Bedürfnisse des Kindes zu beachten, zu erkennen und zu befriedigen. Es hätte die Tochter noch mehr von sich gewiesen, vielleicht hätte ein Wutausbruch oder die Flucht aus der Wohnung die Folge sein können. Wie auch immer. Sinnvoll und notwendig war für das Kind dieser enge Kontakt zu einer vertrauten Bezugsperson, in dem Fall zu mir. Für die Mutter und für den Vater waren die Entlastung durch die Betreuung ihrer Tochter von großer Bedeutung und insgesamt eine präventive Maßnahme. Inwiefern es vielleicht auch nur eine Symptomverschiebung war, vermag ich an dieser Stelle nicht einzuschätzen. Allein die Arbeit als einzelfallunterstützende Begleiterin innerhalb einer belasteten Familie kann schon, wenn an der individuellen Persönlichkeit des Betroffenen ausgerichtet, als präventive Maßnahme betrachtet werden.

Über die Autorin/den Autor
Katja Driesener schloss 2012 ihr Bachelor-Studium Heilpädagogik erfolgreich ab. Sie betreut im Rahmen der Einzelfallhilfe Kinder mit Autismus innerhalb ihrer Familien und ist als Schulhelferin tätig. Im Autismus-Bereich bildet sie sich intensiv weiter. Vor dem Studium absolvierte sie eine Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin.

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