Der Trampolin-Körperkoordinationstest in der Motodiagnostik
Samstag, den 09. Juli 2011 um 12:55 Uhr
Vorwort
Seit den 60er Jahren berichten verschiedene Autoren über die Möglichkeit, die Bewegungskoordination über das Trampolinspringen zu verbessern. 1963 entwickelte Kiphard den Trampolin-Körperkoordinationstest. Dies ist ein klinische motoskopische Methodik zur Erfassung gestörter Bewegungsmerkmale beim Tramponspringen. Es handelt sich um ein Screeningverfahren zur Grobauslese koordinativer Auffälligkeiten. Der Trampolin-Körperkoordinationstest (kurz TKT genannt) besteht aus 33 Items, die in 9 Bewegungskategorien unterteilt werden:
Gesamtablauf – Haltung – Spannungsgrad – Kraftmaß – Tempo – Gleichgewicht – Seitendifferenz –Haltungsfixation – Extrabewegungen.
Ziel des Trampolin-Koordinationstest
Das Ziel ist es, den Gesamtbewegungsablauf eines Kindes zu erfassen und Bewegungsstörungen zu dokumentieren. Das Trampolinspringen dient zur Bewegungsverbesserung von motorisch auffälligen oder gestörten Kindern. Die Bewegung des gesamten Körpers sowie die dynamische Koordination wird dabei geschult. Anhand der zyklischen Bewegungen lassen sich wiederkehrende Auffälligkeiten feststellen. Besonders bei dem Absprung vom Brett lassen sich Unsicherheiten in Haltung und Koordination feststellen. Folgende Beeinträchtigungen können mit diesem Test erfasst werden:
- Beeinträchtigungen in der Grobmotorik
- Beeinträchtigungen in der Feinmotorik
- Steuerungsschwierigkeiten
- Schwierigkeiten in der statokinetischen Koordination
- pathologische Bewegungsmuster
- auffällige Gesamtkörperkoordination
Durchführung des Trampolin-Körperkoordinationstests
Als Material wird ein Trampolin benötigt. Die Durchführung dauert zwischen 1-2 Minuten. Es werden 2 Beobachter benötigt, die das Kind beim Trampolinspringen beobachten. Ein Beobachter demonstriert den Standsprung. Dabei springt er in der Mitte des Trampolins. Die Richtung wird dabei nicht verändert. Nach Aufruf des 2. Beobachters führt der Beobachter eine Vierteldrehung ( 90 Grad) aus. Das Kind soll nu
n die Aufgabe durchführen. Die Aufgabenstellung könnte wiefolgt lauten: „ Du darfst jetzt auf dem Trampolin springen. Drehe dich zur Seite, wenn wir es dir zurufen. Zum Schluss darfst du so alles geben und springst so hoch, wie du kannst.“ Die Testaufgabe wird wiederholt.
Beurteilt werden beim Trampolin- Körperkoordinations-Test die Koordination (Gesamtablauf), die Körperhaltung, Spannungsgrad, Kraftmaß, Tempo, Gleichgewicht, Seitendifferenz, Haltungsfixation und Extrabewegungen.
Beurteilungsbogen zum Trampolin-Körperkoordinationstest
(Zutreffende Merkmale sind vor der Nr. anzukreuzen. Aus dem Buch: Kiphard, E. J. (1972): Bewegungsdiagnostik bei Kindern. Beiträge zur schulischen und klinischen Heilpädagogik. 2. Flöttmann KG, Gütersloh)
Name.................................................... .Alter.......................................................Datum
GESAMTABLAUF (KOORDINATION)
1. Stampfen (Harte und plumpe Beinstöße auf das Sprungbrett bei der Landung)2. Abstoppen (Unwillkürliches Unterbrechen der Sprungabfolge)
3. Hinfallen (Kind fällt hin, Koordination versagt)
HALTUNG
4. Hüftbeugen (Körper ist vorgeneigt beim Absprung)
5. Zickzackhaltung (Anreißen beider Knie mit nahezu waagerechten Oberschenkeln bei gleichzeitigem Hüftbeugen)
6. Kopfhaltungsschwäche ( Kind zeigt mangelhafte Kopfkontrolle)
SPANNUNGSGRAD
7. Sprungverspannung ( Grundtonus ist übermäßig verspannt. Leichte Muskelverkürzung der Beuger)
8. Sprungsteifheit (Bewegungsarmes, monotones, starres, hölzernes, staksiges Springen)
9. Sprungschlaffheit („Puddingmotorik“, mangelnde Haltekräfte, kraftloses, muskelschwaches Springen)
KRAFTMAß
10. Zu hohes Springen (Inadäquat hoher Krafteinsatz, sichtbar an wild fuchtelnden Korrektivbewegungen der Arme)
11. Zu niedriges Springen (Geringe Sprunghöhe aufgrund mangelnder oder zu sparsam eingesetzter Dynamik )
TEMPO
12. Hastiges Springen (Schnelle, kurze, abgehackte Beinstöße begleitet von eckigen, ruckhaften Bewegungen)
13. Verlangsamtes Springen (Schwungloser, ungenügend effektvoller, zähflüssiger Sprungrhythmus)
14. Sprungverzögerung (Erschwerter Bewegungsbeginn durch hemmende Gegenmuskelspannung, wodurch es zu Bewegungslücken zwischen den einzelnen Sprüngen kommt)
GLEICHGEWICHT
15. Seitabweichungen (Ungenügende Gleichgewichtskontrolle, seitliches Hin- und Herspringen unter Abkommen von der Sprungtuchmitte nach rechts und links)
16. Gewichtsverlagerung rechts (Körpergewicht ruht mehr auf dem rechten Bein)
17. Gewichtsverlagerung links (Körpergewicht ruht mehr auf dem linken Bein )
SEITENDIFFERENZ
18. Linker Fuß eher abgehoben (Absprung ist linksbetont, wodurch der Fuß des entlastenden rechten Beines früher vom Sprungbrett freikommt).
19. Rechter Fuß eher abgehoben (Absprung ist rechtsbetont, wodurch der Fuß des entlasteten linken Beines früher vom Sprungtuch freikommt).
20. Rechtes Knie höher (Bei entlastetem rechten Bein wird das Knie dieser Seite beim Absprung stärker gebeugt, wodurch es in der Endstellung höher steht als das andere).
21. Linkes Knie höher (Bei entlastetem linken Bein wird das Knie dieser Seite beim Absprung stärker gebeugt, wodurch es in der Endstellung höher steht als das andere).
22. Armpassivität rechts (Der rechte Arm wird nicht oder nur unzureichend zum Schwunggeben bei der Aufwärtsbewegung eingesetzt).
23. Armpassivität links (Der linke Arm wird nicht oder nur unzureichend zum Schwunggeben bei der Aufwärtsbewegung eingesetzt).
HALTUNGSFIXATION
24. Armbeugehaltung rechts (Der rechte Arm wird rechtwinkelig oder spitzwinkelig fixiert gehalten und dabei an den Körper gepresst).
25. Armbeugehaltung links (Der linke Arm wird rechtwinkelig oder spitzwinkelig fixiert gehalten und dabei an den Körper gepresst).
26. Handgelenkbeugehaltung rechts (Abwinkeln der rechten Hand in Pronations- oder Supinationsstellung)
27. Handgelenkbeugehaltung links (Abwinkeln der linken Hand in Pronations- oder Supinationsstellung)
28. Spitzfußstellung: (Fixierung des rechten Fußes in Plantarflexion, wodurch das Sprungtuch nur mit Ballen und Zehen berührt wird).
29.Spitzfußstellung: (Fixierung des linken Fußes in Plantarflexion, wodurch das Sprungtuch nur mit Ballen und Zehen berührt wird).
EXTRABEWEGUNGEN
30. Ausfahrende Grobimpulse (Grob choreiforme, unwillkürlich auftretende und unabhängig vom eigentlichen Bewegungsablauf blitzartig einschießende, großräumige Muskelzuckungen vor allem im Nacken-Schulter-Armbereich).
31. Ausfahrende Fernimpulse (Fein choreiforme, unwillkürlich auftretende, kleinräumige Muskelzuckungen im Nacken-Schulter-Armbereich.)
32. Drehbewegungen (Unwillkürliche, abwechselnd außen- und innen rotierende Arm- und Handbewegungen oder langsam und zähflüssig verlaufende, wurmartig gewundene Fingerbewegungen)
33. Körperzittern (Sehr schnell aufeinanderfolgende Muskelkontraktionen und –-erschlaffungen als antagonistisches Innervationsmuster an Kopf und/oder Extremitäten (Tremor)
Auswertung des Trampolin-Körperkoordinationstests
Die Beobachter kreuzen die Merkmale an, welches das Kind zeigt. Die Ergebnisse werden untereinander verglichen und besprochen. Bei auffälligem Ergebnis sollten weitere Tests und eventuell medizinische Untersuchungen anschließen. Die untenstehenden Nummern geben die Merkmale an, welche einzeln oder kombiniert auftreten können. (Kiphard, E. J. (1972): Bewegungsdiagnostik bei Kindern. Beiträge zur schulischen und klinischen Heilpädagogik. 2. Flöttmann KG, Gütersloh)
Störungsgrade
Vorwiegend feinmotorische Koordinationsschwäche: 7,8,10,12,31.
Vorwiegend grobmotorische Koordinationsschwäche: 9,11,22 oder 23.
Leichte vorwiegende feinmotorische Störung: 5,8,15,30 oder 31.
Leichte vorwiegende grobmotorische Störung: 1,4,9,11,13,18 oder 19, 20 od. 21.
Schwere gesamtmotorische Störung: 1,2,3,4,5,6,9,11,13,14,15,16 oder 17, 18 od. 19, 20 od. 21, eventuell auch 24 od. 25, 26 od. 27, 28 od. 29, 30 od. 31, 32 od.33.
Störungsbereiche
Extrapyramidal-hyperkinetisches Syndrom : 30,31,32,33.
Extrapyramidal-hypokinetisches Syndrom: 8,11 od 12, 13,14, 22 und 23.
Zerebrale Symptomatik: 15,16 oder 17, 33.
Pyramidale Symptomatik:: 1,4,9,11,13,14, 24 od 25, 26 od.27, 28 od 29.
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