Psychomotorik - Was ist das?

Psychomotorik - Was ist das?

In diesem Artikel erhalten Sie eine Einführung in die Beweggründe, Ziele und Zielgruppen der Psychomotorik.

Die Lebensbedingungen unserer heutigen Kinder haben sich in den letzten Jahren stark verändert. Es gibt immer weniger Plätze für Kinder und die Bewegungsangebote werden knapp. Typische "Straßenkinder", wie viele Erwachsene es noch aus ihrer Kindheit kennen, gibt es kaum noch. Kinder sind heute in ihrer Bewegung oft eingeschränkt, sie werden mit dem Bus oder dem Auto zum Kindergarten/zur Schule gefahren, Spielplätze sind in manchen Gegenden rar.

Die Auswirkungen der mangelnden Bewegung

Die Auswirkungen sind nicht nur das Übergewicht von Kindern, sondern auch enorme Defizite in der Fein- und Grobmotorik. Kinder zeigen oft auch mangelnde Ausdauer und spätestens hier zeigen sich später Lernschwierigkeiten.

Nicht nur der motorische Bereich zeigt erhebliche Defizite bei mangelnder Bewegung. Auch die psychische Seite der Kinder zeigt facettenreiche Auffälligkeiten. Die Bewegung, die Wahrnehmung und das Lernen sind eng miteinander verknüpft. Fehlt dem Kind die Bewegung, zeigt es später Schwierigkeiten in der Schule. Folglich ist das Selbstbewusstsein eingeschränkt, wenn das Kind schlechte Noten schreibt. Und häufig zeigt betroffene Kind Verhaltensauffälligkeiten, mit denen das mangelnde Selbstbewusstsein kompensiert werden soll. Somit haben viele Verhaltensauffälligkeiten und Wahrnehmungsstörungen ihren Ursprung in dem Bewegungsmangel.

Die psychischen und die motorischen Fähigkeiten von Kindern müssen genügend gefördert werden, um die genannten Auswirkungen zu verhindern.

Definitionen des Begriffs Psychomotorik

Die Psychomotorik ist als Beziehung zwischen dem Geistig-Seelischen und dem Körperlich-Motorischen zu sehen. Die Psychomotorik stellt eine ganzheitliche Entwicklungsförderung von Motorik und Wahrnehmung dar. "Psychomotorik beschreibt diesen Zusammenhang als enge und wechselseitige Verbindung von psychischen Prozessen und Bewegung" (www.psychomotorik.com).

Ziele in der Psychomotorik

Die Psychomotorik ist ein ganzheitliches Konzept zur Entwicklungsförderung. Sie sieht das Kind im Mittelpunkt des Denkens und Handelns. Die Psychomotorik bietet vielfältige Möglichkeiten, Kinder in ihrer Entwicklung zu unterstützen. Sie ist eine entwicklungs- und kindgemäße Art der Bewegungserziehung.

Verbesserung der Ich-Kompetenz, der Sachkompetenz und der Sozialkompetenz

  • Ich-Kompetenz: In der Psychomotorik lernen die Kinder den Umgang mit ihrem eigenem Körper. Dies wird in der Psychologie als Ich-Kompetenz bezeichnet.
  • Sachkompetenz: Kinder lernen in der Psychomotorik spielerisch den Umgang mit verschiedenem Material kennen, dies wird Sachkompetenz genannt.
  • Sozialkompetenz: In den Psychomotorik-Förderstunden haben die Kinder Möglichkeiten, vielfältige Erfahrungen im Sozialbereich zu machen. Dies wird in der Psychologie als Sozialkompetenz bezeichnet.

Das Ziel in der Psychomotorik ist, die Handlungsfähigkeit der Kinder über die Ich-, Sach- und Sozialkompetenz zu verbessern (vgl. Schönrade, S. 54). Motorische Defizite sowie die Probleme des Kindes mit sich selbst und im Umgang mit seiner Umwelt werden in der Psychomotorik bearbeitet. Zudem werden Kinder in ihren eigenen Fähigkeiten gestärkt und gewinnen so mehr Selbstvertrauen.

Anhand von Spielen und Übungseinheiten werden die Grob- und Feinmotorik, die Wahrnehmung (Integration der Sinne), die Konzentration, das Sozialverhalten, Kreativität und Phantasie gefördert.

Psychomotorik in Kindergärten

Kinder besuchen oft ab etwa dem 3. Lebensjahr einen Kindergarten. Entstandene Entwicklungsbeeinträchtigungen oder Verhaltensprobleme können somit ggf. frühzeitig erkannt werden. Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten können somit schon frühzeitig psychomotorisch gefördert werden. In vielen Kindergärten gibt es mittlerweile psychomotorische Angebote. Diese werden von den Heil-/Pädagogen, Motopäden oder Erziehern angeboten.

Psychomotorik wird in Kleingruppen durchgeführt. Hier erlernen die Kinder das Sozialverhalten und das Regelbewusstsein schneller und man kann als Pädagoge intensiv das Kind beobachten und es einschätzen.

Für welche Kinder ist Psychomotorik geeignet?

In der Heilpädagogik wird die Psychomotorik bei Bewegungsauffälligkeiten, Entwicklungsrückständen und/oder Verhaltensauffälligkeiten eines Kindes angewandt. Psychomotorische Förderung ist für folgende Kinder geeignet:

  • Kinder, die in ihren Bewegungen ängstlich oder gehemmt erscheinen, wenig Selbstbewusstsein haben
  • motorisch unruhige Kinder sowie Kinder mit Konzentrationsstörungen
  • dyspraktische Kinder (ihre Bewegung wirkt ungeschickt, stolpern schnell, stoßen sich oft)
  • Bewegungsbeeinträchtigung aufgrund von Erkrankungen bzw. Behinderungen
  • Kinder mit Wahrnehmungsstörungen
  • Kinder mit Sprachauffälligkeiten
  • Kinder mit Lernschwierigkeiten
  • Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten

Quellen

Über die Autorin/den Autor
Diana Saft ist staatlich anerkannte Heilpädagogin und Heilerziehungspflegerin. Sie sammelte bisher Erfahrungen in einem Seniorenheim, in einem Wohnheim für Menschen mit Behinderungen, in einem integrativen Kindergarten und in einem deutschen Kindergarten in den USA.

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