Was sind projektive Tests?
Sonntag, den 13. September 2009 um 16:50 Uhr
Projektive Tests werden über Kinder erstellt. Bei einer Projektion werden unbewusste Motive und Eigenschaften projiziert. Nach Freud ist eine Projektion eine Eigenschaft, die das Ich bedroht. Es wird in der eigenen Person nicht gesehen und einem Objekt, etwa einer Person, der Außenwelt zugeschrieben.
Meist sind es projektive Zeichen- und Spieltests. Im Spielen oder Zeichnen drücken Kinder unbewusst oder bewusst Wünsche aus, die auf ihre momentane psychische Situation hindeuten. Projektive Tests geben Aufschluss über kindliche Emotionen, Konflikte, Aggressionen oder Ängste. Der Heilpädagoge erfährt in diesen Tests etwas über die Persönlichkeit des Kindes und kann dies zusätzlich zur Diagnostik heranziehen. Projektive Tests sind zum Beispiel der Sceno-Test von Staabs, das Sandspiel von Kalf, der Baumtest von Koch und Familie in Tieren von Bremm-Gräser.
Projektive Tests werden zur Erstellung von Anamnesen verwendet. Sie sind nicht als alleiniges Mittel zur heilpädagogischen Diagnostik geeignet. Langzeitstudien über projektive Tests und ihre Ergebnisse gibt es bisher leider nicht.
Zielpersonen
Projektive Tests sind für Kinder und für Lernbehinderte geeignet. Voraussetzung ist, dass das Sprachverständnis gut entwickelt ist, sodass sie die Aufgabenstellung verstehen können. Gerade für Kinder mit Sprachstörungen oder Hörschädigungen sind projektive Tests geeignet, da sie ihre Gefühlswelt so im Spiel oder beim Malen ausdrücken können.
Auswertung von projektiven Tests
Projektive Tests waren im zurückliegenden Jahrhundert in der psychologischen Diagnostik sehr beliebt, es gab jedoch viele kritische Einwände. Und diese kritischen Einwände gibt es auch heute noch - zu Recht: Generell sind bei psychologischen Tests die Objektivität, Reliabilität und Validität die wichtigsten Gütekriterien, die jedoch bei den projektiven Tests oft bemängelt werden. Nachfolgend eine Erläuterung der drei Kritieren:
Objektivität
Die Objektivität ist das Ausmaß, in dem die Testergebnisse unabhängig von der Person des Untersuchungsleiters sind. Die Durchführung, Auswertung und Interpretation des Tests müssen weitgehend standardisiert sein, so dass auch andere Anwender unter gleichen Bedingungen zu den gleichen Ergebnissen gelangen. Objektive Tests sind auswerterunabhängig. Dies ist z. B. der Fall bei Intelligenztests. Die Objektivität bei den projektiven Tests variiert jedoch sehr stark. Eine bestimmte Reaktion eines Probanden kann hier sehr vielfältig interpretiert werden. Der Anwender sollte daher immer zusätzliche Informationen z. B. aus Elterngesprächen oder klinischen Diagnosen einbeziehen. Somit hängt die Qualität der Auswertung bei den projektiven Tests allein vom Auswerter ab.
Reliabilität
Die Reliabilität ist ein Maß für die Genauigkeit eines Testes. Die Reliabilität ist somit die Zuverlässigkeit einer Messung. Reliabel, also zuverlässig, ist ein Test dann, wenn ein Proband immer wieder das gleiche Ergebnis zeigt. Bei den projektiven Tests stellt sich das Problem, welche Anteile der Aussagen „wahr“ sind und welche der ungenauen Messung zuzuschreiben sind. Fühlt sich z. B. der Proband an dem Testtag traurig, würde er beispielsweise beim Baumtest eine Trauerweide malen. Wiederholt man den Baumtest tagespäter, malt er vielleicht einen kräftigen Baum.
Validität
Die Objektivität und Reliabilität sind letztlich nur Vorstufen des Strebens nach einer Validität. Die Validität gibt den Grad der Genauigkeit an, mit dem ein Testverfahren das mißt, was es messen soll (vgl. Uni-hamburg.de). Die Validität lässt sich empirisch überprüfen und mit statistischen Maßzahlen ausdrücken. Die projektive Tests schneiden bei den Gütekriterien schlechter ab, als bei objektiven Tests.
Projektive Tests mit geistig behinderten Kindern
Die Auswertung der Ergebnisse setzt entwicklungspsychologische Kenntnisse voraus. Das heißt, dass das Sprachverständnis, die soziale Entwicklung, der geistige Entwicklungsstand sowie die emotionale Belastbarkeit des Kindes einen großen Einfluss auf das Testergebnis haben. Leider gibt es bisher auch kaum Erfahrungen mit projektiven Tests mit geistig behinderten Kindern. Im Allgemeinen sind projektive Tests bei solchen Kindern nur zum Teil anwendbar, da z. B. ihr Aufgabenverständnis oder ihr Sehvermögen mitunter schwach entwickelt sind.
Projektive Tests bestehen weitgehend aus älteren Testmaterial
Viele projektive Tests wurden in den 1950er Jahren entwickelt. Damals herrschten noch andere Normen und Werte und die Familie hatte einen anderen Stellenwert als heute. Problematisch bei älterem Testmaterial ist, dass die Darstellung von Figuren und Gegenständen aus jener Zeit zu Unverständnis bei den Probanden führen kann. Beispielsweise empfinden wohl nur noch wenige Kinder heutzutage einen Teppichklopfer - wie er beim Sceno-Test verwendet wird - als negative Sanktion. (Vgl. www.kindergartenpaedagogik.de/214.html)
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