Der Baumtest
Donnerstag, den 25. September 2008 um 18:44 Uhr
Der nachfolgende Artikel ist eine Zusammenfassung aus dem Buch "Der Baumtest" von Karl Koch, Verlag Huber.
Der Baumtest ist für Kinder ab 6 Jahren geeignet. Es handelt sich hierbei um einen projektiven Test mit thematischem Zeichnen. Der Baumtest wird als diagnostisches Hilfsmittel eingesetzt, besonders im Bereich der Schulpsychologie, der Kinderpsychiatrie und in der Heilpädagogik.
Ziel des Baumtests
Ziel des Baumtests ist es, etwas über die Persönlichkeit des Probanden zu erfahren. Was sind seine eigenen Empfindungen, Gefühlen und Reaktionen. Der Baumtest gibt dem Heilpädagogen Hinweise über den Entwicklungsstand des Probanden.
Voraussetzungen und Durchführung
Bei dem Baumtest soll der Proband sich einen Baum vorstellen und diesen zeichnen. Dafür braucht er nur ein Blatt Papier und einen Bleistift. Beim Malen lösen sich unbewusst Emotionen. Nachdem der Proband den Baum zu Ende gemalt hat, zieht der Heilpädagoge Rückschlüsse auf die Persönlichkeit des Probanden. Hier ist es wichtig, dass der Heilpädagoge genügend Erfahrungen mit dem Baumtest hat. Es gab bereits mehrere Untersuchungen an Schulkindern und Erwachsenen. Daher findet man im Buch grafische Darstellungen und Tabellen über Durchschnittswerte. Leider fehlen grafische Darstellungen von Kinderzeichnungen in dem Buch.
Deutung des Baumtests
Mithilfe von Deutungen wird der Baumtest interpretiert. Dabei gibt es verschiedene Merkmale, auf denen der Heilpädagoge achten sollte und die ihm bei der Interpretation helfen:
Biographie des Probanden
Bevor man mit einem Probanden einen Baumtest durchführt, sollte man natürlich die Biographie des Kindes kennen. Hierzu wird bei Kindern ein Anamnesegespräch mit den Eltern oder einem Elternteil geführt. Bei Erwachsenen sollte ein Anamnesegespräch vorher erfolgen, um einen Einblick in die Familienstruktur zu erhalten. Möglicherweise erfährt der Heilpädagoge schon bei der Anamnese etwas über die Familienzusammensetzung und die Atmosphäre, die in der Familie gerade herrscht. Wichtige Merkmale sollte der Heilpädagoge dabei im Hinterkopf haben, z.B. die Eltern des Kindes haben sich gerade erst getrennt. Zum einen ist für die Beurteilung ist es wichtig, den Entwicklungsstand und die Kultur des Probanden zu berücksichtigen. Außerdem sollten insbesondere Kinder Erfahrungen mit Bäumen haben. Ich kann keinem Kind einen Baum malen lassen, wenn es noch nie einen Baum gesehen hat.
Die psychologische Bedeutung des Baumes
Bedeutung der Wurzeln

Was bedeutet es, wenn der Proband keine Wurzel malt? Die Triebenergie ist blockiert, dies bedeutet es gibt keinen Untergrund, keinen sicheren Halt. Probanden mit Haltschwächen malen auffällig große Wurzeln. Malt der Proband hingegen nur ein paar Wurzeln, liegt das im normalen Bereich. Malt der Proband eine waagerechte Linie zwischen den Stamm und der Wurzel (er möchte z. B. den Erdboden andeuten), könnte dies möglicherweise ein Zeichen für ein Doppelleben sein.
Bedeutung des Stamms

Der Stamm steht als Symbol für den emotionalen Bereich.
Ist der Stamm tragfähiger, desto besser trägt es die Krone.
Ein Strichstamm, könnte wahrscheinlich auf eine Entwicklungshemmung oder Regression hinweisen. (vgl: Koch,Der Baumtest, S. 63) Malt der Proband den Stamm als unregelmäßige Kontur, könnte dies möglicherweise ein Zeichen für innere Verwundbarkeit, seelische Traumen,Konflikte, Hemmungen, Anpassungsschwierigkeiten oder Eigensinn bedeuten. (vgl: Koch, Der Baumtest, S. 133) Ist ein Loch im Stamm, oder eine Krümmung, kann es ein Hinweis auf ein traumatisches Erlebnis sein. Ist eine Narbe am Stamm zu sehen, kann dies bedeuten, das von Außen etwas zerstört wurde.
Bedeutung der Krone

Zeichnet der Proband eine kleine Krone, hingegen aber einen dicken Stamm, bedeutet es, dass die Krone (Kognition) noch wächst. Zeigt die Krone Früchte und Blüten, ist dies ein Zeichen der Fruchtbarkeit (bei Erwachsenen). Früchte bedeuten u. A. Kinderwunsch, gute Beziehung zu Geschwistern und Freunde. Wird die Krone mit einem Rand gemalt, dann wuchert die Krone nicht, alles bewegt sich in seinen Grenzen, der Proband zieht sich eher zurück.Wenn viele Blätter gemalt werden, dann zeigt dies eine gute soziale Kompetenz. Malt der Proband herunterfallende Blätter, so könnte dies als etwas Verlorenes interpretiert werden. Dies ist aber ganz vom Alter abhängig und bedeutet nicht immer, dass Probanden einen Verlust erlitten haben.
Der Wittgenstein-Index
Der deutschen Nervenarzt Dr. Graf Wittgenstein machte beim Baumtest eine erstaunliche Entdeckung: Wenn man die Höhe des Baumes, in Millimetern ausgedrückt, und durch das Alter des Probanden dividiert, bekommt man eine Indexzahl. Wenn man dann die Höhe einer wahrscheinlichen Knickung im Stamm nimmt, diese durch die Indexzahl teilt, erhält der Heilpädagoge möglicherweise einen bedeutsamen Hinweis auf die Erlebnisse des Probanden in diesem Alter (vgl. Koch, Der Baumtest, S. 37 und S. 45). Der Wittgenstein-Index gilt als sehr umstritten.
Zuverlässigkeit des Baumtests
Der Baumtest kann nicht als alleiniges diagnostisches Mittel eingesetzt werden. Wichtig ist besonders die Anamnese, die einen Überblick über die Familienstruktur verschaffen soll. Als Gegenkontrolle sollten noch andere Tests oder bei Kindern Spielbeobachtungen hinzugezogen werden. Sehr kritisch kann z. B. die Deutung der psychometrischen Kennzahlen (Wittgenstein-Index) gesehen werden. Was in Kochs Beschreibung des Baumtestes u.a. nicht berücksichtigt wird, ist die Eigeninterpretation des Probanden. Außerdem wird der kreative Teil des Baumtests nicht beschrieben: Was hat der Proband zuletzt gemalt? Fing er mit den Wurzeln an oder mit der Krone? Wie war die Stifthaltung des Probanden? Auch dies kann Aufschluss über die Identität des Probanden geben.
Weiterführende Informationen zum Thema "Baumtest"
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