Die linguistischen Ebenen der normalen Sprachentwicklung
Dienstag, den 17. November 2009 um 10:15 Uhr
Kindern gelingt es in einer erstaunlich kurzen Zeit, einen grundlegenden Bestand semantischer, syntaktischer und morphologischer Prinzipien ihrer Muttersprache zur erwerben. Aus linguistischer Sicht werden vier Sprachdimensionen unterschieden.
1. Phonematisch- phonologische Ebene
In der Phonologie geht der Prozess des Sprachverstehens dem Sprechen seht weit voraus. Kinder verstehen viel früher das Gesagte, als des es zu sprechen beginnt. Auch wenn es bereits sehr früh erste Laute produziert.
In der Phonologie geht es um das Unterscheiden von Lauten und die Regeln, nach denen die Laute zu Wörtern zusammengestellt werden."Es erörtert die Beschaffenheit und Verwendung der Phoneme.“ ( B.FENDRICH, 2000, S 51). Phoneme sind Lauteinheiten mit bedeutungsunterscheidenden Funktionen.Beispiel: Haus – Maus. Die zwei Wörter unterscheiden sich nur durch ein Phonem und haben eine ganz andere Bedeutung.
Die Laute einer Sprache haben aufgrund von phonologischen Regeln verschiedene Merkmale. Es kann z.B. ein Laut innerhalb eines Worts unterschiedlich ausgesprochen werden. So gibt es z.B. das stimmhafte „s“ (Sand) und das stimmlose „s“ (Küste). Kinder lernen unbewusst im Vorschulalter die Regeln der Phonologie. Dieses spontane Lernen erfolgt durch die eigene Sprachwahrnehmung und der eignen Sprachproduktion.
Die Phonetik ist die Lehre von der Erzeugung der akustischen Sprachlaute. In der phonematisch Ebene geht es vor allem um die Prosodie (Sprechmelodie), die besonders in der Säuglingszeit eine besondere Bedeutung hat. Der Säugling nimmt zuerst die situativen Kontexte war, die durch die Intonation und Meloieführung eine Bedeutung erhalten. Die Ammensprache ist z.B. darauf ausgerichtet. Die Ammensprache wird gegenüber dem Säugling instinktiv verwendet. Besondere Merkmale in der Ammensprache sind eine höhere Grundfrequenz, eine langsamere Aussprache und ein melodisches Auf und Ab. Intonationen sind z.B.bei Säuglingen oft zu beobachten, in dem sie typische Fragen oder Bejahungen lallen. Zu den prosodischen Aspekten zählen die Intonation, Dynamik, Rhythmus, Flüssigkeit, Pausen und Betonung. Besonders durch Lieder, Fingerspiele, Abzählverse, Reime und kleine Kurzgeschichten kommen die prosodischen Aspekte sehr gut zur Geltung.
2. Kommunikation und Pragmatik
Die Sprache hat einen kommunikativen Zweck. Es ist die wichtigste Funktion, sich mit anderen Menschen auszutauschen.Die Kommunikation besteht aus verbalen, nonverbalen, emotionalen und situativen Komponenten. Wir teilen über die Sprache unsere Gedanken, Gefühle und Erlebnisse aus. Kinder erwerben im Laufe der Zeit die Fähigkeit, Kommunikationsmuster zielgerichtet und situativ variierend zu verwenden (vgl. B.FENDRICH, 2000, S. 55).
Pragmatik meint die die Lehre vom sprachlichen Handeln. Pragmatik stellt eine Verbindung zwischen dem Denken und Sprache dar. Es geht hier um das Verstehen von Aussagen und um die soziale Aspekte des Sprachgebrauchs. Kinder lernen im Laufe der Zeit, seine Aktivitäten mit denen andere Menschen zu koordinieren (vgl. B.FENDRICH, 2000, S. 54) Das Kind lernt seine Handlungen sprachlich zu koordinieren. Dies ist besonders gut im Rollenspiel zu beobachten.
3. Lexikon und Semantik
Die Wörter, die wir einem Gesprächspartner mitteilen, haben einen Sinn. Ergäben die Wörter keinen Sinn, würde kein Dialog zustande kommen. Daher beschäftigt sich die Semantik mit der Bedeutung und dem Sinn von Wörtern und Sätzen. In der Semantik geht es daher um die spezifische Bedeutung eines sprachlichen Ausdrucks. Kinder müssen zuerst aber die Worte lernen, um Bedeutungen bilden zu können.Dafür braucht das Kind das Lexikon. Das Lexikon bezieht sich auf dem gespeicherten Wortschatz eines Menschen.Das Lexikon enthält die grammatikalische Wortlehre sowie sämtlich mögliche Ausdrücke einer Sprache. Alle Wortformen haben ihre grammatikalischen Merkmale, die zur Bildung von Sätzen verwendet werden.
Der Aufbau des Lexikon und der Semantik wird von der kognitiven und sensomotorischen Entwicklung des Kindes beeinflusst. „ Sie hängen eng mit kognitiven Prozessen, d.h. Erkenntnisprozessen, besonders mit den Begriffsbildungen, sowie mit dem ganzen situativen Kontext, bzw. mit der Tätigkeit des Kindes zusammen“ (WEIGL 2002, S. 18)
Zum Beispiel versteht ein Krippenkind das Wort „Essen“ nur, wenn das Wort handelnd begleitet wird. In dieser Entwicklungsphase wird die Wortwahrnehmung noch nicht von der Handlung getrennt. Erst Ende des 2. Lebensjahres kann das Kind allmählich getrennte Bedeutungen bezüglich Objekten und Personen entwickeln.
4. Morphologie und Syntax
Nach dem Ausbau der semantisch-lexikalischen und phonomatisch-phonologischen Systems können sich die Strukturen des Syntax und der Morphologie bilden. Der Syntax und die Morphologie sind hier eng miteinander verbunden. Das Kind erwirbt die Fähigkeit, Worte zu Sätzen zusammenzustellen (Syntax) und Worte zu beugen ( Morphologie). Es kann Zusammenhänge und komplexe Sachverhalte nun ausdrücken. (vgl. www.kindergartenberater.de)
Der Syntax stellt die grammatikalischen Regeln einer Sprache dar. Die Wörter, aus denen grammatikalische Sätze bestehen, müssen in einer geordneten Folge an bestimmten Positionen eines Satzes stehen (vgl. WELLING 2006, S. 53). Ein Satz besteht aus Regeln, nach dem Wörter zu einfachen oder auch komplexen Satzgefüge geordnet werden. Es werden dadurch beliebig viele neue Sätze gebildet. Das Kind kopiert aber nicht die Sprache des Erwachsenen.Die Grammatik des Kindes zeigt zu jedem Zeitpunkt eine eigenständige Systematik (vgl. GROHNFELDT 1993, S. 46)
In der Morphologie dreht sich alles um den internen Aufbau von Wörtern. Die Morphologie beschäftigt sich mit den Flexionen (Deklination und Konjugation),Wortbildungen (Derivation und Komposition) und der Morphophonologie (Zuordnung von Wörtern zu ihren Aussprachen). Die Morpholgie gliedert die Wortformen einer Sprache in Morpheme, die kleinsten bedeutungsvollen Einheiten der Sprache. Ein Morphem ist eine Lautsequenz, die eine Bedeutung hat. Die Wortform Schule besteht aus den Silben in „Schu“ und „le“. Einzeln betrachtet ergeben die Silben keine Bedeutung. Erst wenn man die Silben zusammenzieht, kann dem Wort eine Bedeutung zugeordnet werden.
Quellen:
Grohnfeldt, M.: Störungen der Sprachentwicklung. Berlin 1993
Fendrich, B. : Sprachauffälligkeiten im Vorschulalter. München 2000
Weigel, I. : HOT- ein handlungsorientierter Therapieansatz. Stuttgart 2002
Wygotski, L.S.: Denken und Sprechen. Frankfurt 1986
Welling A.: Einführung in die Sprachbehindertenpädagogik. 2006
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