Die komplexe Leistung des Spracherwerbs

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Der Spracherwerb ist die komplexe Leistung, die ein Kind vollbringen kann. „ Der Erwerb sprachlicher Strukturen ist in einen universellen Entwicklungsplan sensorischer, motorischer, kognitiver und emotionaler und sozial-kommunikativer Funktionsbereiche eingeordnet, die sich in ihrer Wirkungsweise gegenseitig beeinflussen“ (GROHNFELDT 1993, S.11). Aufgrund der verschiedenen Funktionsbereiche stellt die Sprachentwicklung einen gewaltigen Komplex dar. Um so erstaunlicher ist es, wie einfach sich Kinder das komplexe Gebilde der Muttersprache aneignen. In den ersten Lebensjahren leisten Kinder daher eine sprachliche Sensation. Kleinkinder können durch die Kommunikation mit ihrer Umwelt in Kontakt treten und somit ihre Absichten, Bedürfnisse und Emotionen sprachlich mitteilen.

Der Prozess des Spracherwerbs verläuft in festgelegten Stufen ab, die sich nicht programmieren lassen. (vgl.:WEIGL 2002, S. 14) „ Die Abfolge der Stadien, die das Kind durchläuft, die Dauer einzelner Etappen werden nicht vom Programm der Mutter bestimmt, sondern hauptsächlich davon, was das Kind selbst aus der Umwelt aufnimmt“ (L.S. WYGOTSKIW, 1987, S. 256). Mit einfachen Worten: Das Kind bestimmt sein eigenes Programm der Sprache. Dieser Lernvorgang wird als spontanes Lernen bezeichnet. Die Aufgabe der Pädagogen ist es, geeignete Bedingungen für den Spracherwerb zu schaffen und den Sprachprozess unterstützend zu begleiten. Der Pädagoge singt Lieder, zeigt den Kindern Fingerspiele, Reime, erzählt Geschichten und ist vor allem selbst ein sprachliches Vorbild.

 

Die Sprachentwicklung ist aufgrund der Komplexität besonders in der Entwicklungsphase leicht störbar.

Einige Kinder im Vorschulalter zeigen Probleme beim Erlernen des Spracherwerbs. Manche Kinder können Laute nicht richtig bilden, stottern, sprechen verwaschen oder undeutlich oder verweigern völlig die Kommunikation. In den linguistischen Ebenen (Phonologie, Semantik, Morphologie, und Syntax) können Störungen vorliegen. Die Störungen der Sprachentwicklung haben große Auswirkungen auf die gesamte Entwicklung des Kindes. Kinder, deren Sprache nicht altersgemäß erfolgt, ziehen sich entweder zurück, werden aggressiv, haben Kontaktschwierigkeiten zu anderen Kindern, können Bedürfnisse nicht mitteilen oder können ihre Persönlichkeit nicht entfalten. Sprachauffällige Kinder haben daher möglicherweise komplexe Beeinträchtigungen und benötigen daher eine ganzheitliche Förderung, die möglichst früh beginnen sollte. Eine therapeutische Förderung sollte also schon im Vorschulalter einsetzen.

„Um Auffälligkeiten der kindlichen Sprache erkennen und beschreiben zu können, ist es notwendig, sich mit der normalen Sprachentwicklung des Kindes zu befassen“ (B. FENDRICH, 2000, S. 12). Es folgt daher zuerst eine Beschreibung der linguistische Ebenen sowie die zeitlichen Phasen der normalen Sprachentwicklung.

Quellen:

Fendrich, B. : Sprachauffälligkeiten im Vorschulalter. München 2000

Grohnfeldt M.: Störungen der Sprachentwicklung. Berlin 1993

Weigel, I. : HOT- ein handlungsorientierter Therapieansatz. Stuttgart 2002

Wygotski, L.S.: Denken und Sprechen. Frankfurt 1986