Gleichgewichtssinn - vestibuläre Wahrnehmung
Montag, den 26. Oktober 2009 um 11:36 Uhr
Eine Gleichgewichtsstörung ist typisch, wenn Kinder ungern schaukeln oder schlecht die Balance halten können. Doch vorab ist erst einmal zu klären, welche Aufgabe der Gleichgewichtssinn (der in der Fachsprache "Vestibularapparat" genannt wird) hat. Die vestibuläre Wahrnehmung dient der Gleichgewichtsregulation. Denn um eine Orientierung im Raum zu haben, braucht man den Gleichgewichtssinn. Man muss die Balance halten können und wissen, wo oben und unten, rechts und links, vorne und hinten ist.
Der Vestibulärapparat ist für die Aufrechterhaltung des Körpers und für die Raumorientierung verantwortlich. Die Vorhofsäckchen des Innenohrs stellen die wichtige Funktion der Raum-Lage-Orientierung dar. Steht ein Kind z. B. auf einem Bein, so benutzt es die Arme zur Ausgleichsbewegung, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren. Eine weitere Aufgabe des Verstibulärapparats ist die Wahrnehmung von Drehbewegungen und Beschleunigungen des eigenen Körpers. Für diese Aufgabe stellt das Innenohr mit den 3 Bogengängen eine wichtige Funktion dar. Sie vermitteln uns das Gefühl für die Beschleunigung. Sehr eng ist der Vestiubulärapparat aber auch mit dem Sehnerv, der Muskulatur und Reflexen bzw. Nervenbahnen verbunden. Der Vestibularapparat ist Antwort und Reaktion auf verschiedene Bewegungsreize.
Störungen des Gleichgewichtssinns und Fördermöglichkeiten
Kinder reagieren ganz verschieden auf vestibuläre Reize. Bei einer heilpädagogischen Förderung des Vestibulärapparates ist daher auf die Reaktion des Kindes zu achten. Auffällig wäre es beispielsweise, wenn ein Kind Schwierigkeiten hat, Balance zu halten. Oder es kann Geschwindigkeiten nicht abschätzen oder es hat Schwierigkeiten mit dem Gleichgewicht im Allgemeinen. Bei der heilpädagogischen Förderung ist darauf zu achten, dass es unterempfindliche und überempfindliche Kinder gegenüber den vestibulären Reizen gibt. Bei einer Überempfindlichkeit des Vestibulärapparates vermeidet das Kind alle Bewegungen, die das Gleichgewicht stimulieren: Fördermöglichkeiten für diese Kinder sind Schaukeln, Klettern und Balancieren. Der Heilpädagoge achtet dabei auf die Grenzen des Kindes. Ein überempfindliches Kind wird nicht von heute auf morgen gerne schaukeln wollen. Es ist wichtig, bei den Übungen dem Kind Sicherheit zu geben. Dann traut es sich nach und nach mehr zu.
Bei unterempfindlichen Kindern ist besonders zu beachten, dass sie sich schnell verletzen können. Meist erkennen diese Kinder Gefahren zu spät. Sie brauchen daher besonders viel Sicherheit.
"Komm da runter, das ist viel zu gefährlich!" Eltern, die ihrem Kind kaum Möglichkeiten zum Klettern, Schaukeln oder Balancieren geben, behindern den natürlichen Bewegungsdrang des Kindes. Dies hat zur Folge, dass das Kind seinen Gleichgewichtssinn nur ungenügend stimulieren kann. Darf es dann doch einmal klettern, übertreibt es schnell und fällt herunter. Die Eltern fühlen sich bestätigt in ihrer Aussage, dass "Herumtollen" zu gefährlich sei.
Mehr Fördermöglichkeiten für den Gleichgewichtssinn finden Sie auf der Seite Gleichgewichtssinn stimulieren (Vestibuläre Wahrnehmung)
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