Geistige Behinderung - Pädagogische Ziele nach Speck
Besonderheiten des Denkens bei Menschen mit geistiger Behinderung nach Speck
- Die Denkprozesse sind verlangsamt. Daher ist es wichtig, nach einer Frage ihnen Zeit zu lassen, um zu antworten.
- Die Aufmerksamkeit richtet sich auf stark hervortretende Merkmale (z.B. Person mit pinkfarbener Jacke fällt eher auf, als eine Person mit einer gelben Jacke.)
- Das Vergleichen zwischen Objekten fällt schwer, da die Konzentration rasch nachlässt.
- Das Bilden von Oberbegriffen fällt ihnen schwer. Manche wissen z.B. nicht, was Obst und Gemüse ist.
- Sie können nicht eine längere Zeit über eine Situation nachdenken, aufgrund von Ermüdbarkeit und Konzentrationsschwäche.
- Menschen mit einer geistigen Behinderung können kaum über Handlungen und Handlungsabläufe nachdenken. Sie sind in ihrer Wahrnehmung der Serialität gestört. Das heißt, sie können sich kaum einen Handlungsplan machen.
- Die eigenen Fehler werden kaum bemerkt.
- Manche Menschen mit einer geistigen Behinderung zeigen impulsive körperliche Distanzlosigkeit. Daher ist es wichtig, klar und deutliche Grenzen zu signalisieren.
Besonderheiten der Gedächtnisleistung
- Die Einkodierung sowie das Abrufen von Informationen verläuft langsam.
- Geistig behinderte Menschen vergessen schneller Dinge als beim gesunden MenschenEin häufiges Wiederholen ist notwendig, um Informationen abzuspeichern.
- Sie erinnern sich meist nur an konkret-anschauliche Begriffe, deshalb ist es sinnvoll, Angebote konkret-anschaulich zu planen. Abstrakte Begriffe werden schlechter wahrngenommen und werden nur langsam abgespeichert.
- Inhalte werden besser erinnert, je mehr Wahrnehmungen,über verschiedene Sinneskanäle, gemacht werden.
- Geistig behinderte Menschen reagieren sehr gut auf Imitationen. Deshalb kann man hier gut ansetzen.
- Sie reagieren stärker auf nonverbale Kommunikation (z.B. Mimik, Gestik, emotionale Zuwendung, körperliche Nähe)
Pädagogische Ziele nach Speck
Erschließen von Lebenszutrauen
Menschen mit geistiger Behinderung sollen sich freuen-können, dies ist ein Gefühl der Daseinsbereicherung.Wir wissen leider wenig über die Eigenart, wie sich Menschen mit geistiger Behinderung freuen. Lebenszutrauen werden in unzähligen Alltagssituationen erschlossen.
Ausbildung von Lebensfertigkeiten
Das Kind mit geistiger Behinderung erlernt und erwirbt Fähigkeiten, die für seine soziale Eingliederung und für sein Leben wichtig sind.
Ziel hierbei ist die Zuwendung zu sich selbst und seiner Umwelt zu finden.
Menschen mit einer geistigen Behinderung erwerben zuvor in einer integrativen Kindertagesstätte, dann in einer Förderschule oder geistig behinderten Schule kognitive, sozial-emotionale und motorische Fähigkeiten.
Folgende Bereiche werden gefördert
- persönliche Pflege, z.B. An-und Auskleiden, Sauberkeitspflege
- häusliche Arbeiten, z.B. Mithilfe in der Küche, Haushalt
- soziale Umgänglichkeiten, z.B. Umgangsformen, Hilfsbereitschaft
- körperliche Geschicklichkeit, z.B. Schwimmen, Reiten
- musisches Tun und Handfertigkeit, z.B. singen, malen
- Sprache, z.B. Benennen von Dingen, sich mitteilen, im Freispiel
- kognitive Techniken, z. B. Wahrnehmen und Unterscheiden von Gegenständen
- Arbeit und Berufsvorbereitung, z.B. Arbeiten mit Werkzeugen
Vermittlung von Lebensorientierung
Ein Mensch mit einer geistigen Behinderung ist in der Lage seine Welt zu finden, gliedern und zu gestalten.
Die Erziehung muss daher die notwendige Hilfe anbieten, dass der Mensch mit einer geistigen Behinderung seine Welt kennen und deuten lernen kann.
Die unmittelbare Umwelt wird zur eigenen Welt, wenn sie ihm geöffnet und gezeigt wird.
Menschen mit einer geistigen Behinderung brauchen mehr Orientierung als Menschen ohne Behinderung. Dies ist wichtig für das Leben und die soziale Eingliederung.
Gründe für eine Frühförderung
- Die Lebenshaltung sind das komplexe Ergebnis der Erschließung von Lebenszutrauen, der Ausbildung von Lebensfertigkeiten und der Gewinnung von Lebens- und Werthaltungen.
- Das individuelle Wertekonzept des Menschen mit geistiger Behinderung orientiert sich an Werte und Normen, die ihm begegnen und zugänglich sind.
- Wertehaltung welche in der Erziehung des Menschen mit geistiger Behinderung anzustreben sind:
- Arbeitshaltung, z.B. Wertschätzung gelungener Arbeit
- Einstellung zu anderen Menschen, z.B. Kontaktfreundlichkeit, Hilfsbereitschaft
- Bereitschaft zu teilen
- Einstellungen zu Pflanzen, Tieren und Dingen, z.B. Achtung vor Lebewesen, Pflege von Gegenständen
- Die Entwicklung des Gehirns ist in hohem Maße abhängig von den Anregungen aus der Umwelt. Dies nutzt der Pädagoge besonders in den sensiblen Phasen des Kindes.
- Geistig behinderte Menschen benötigen mehr Zeit zur Förderung.
- Die Entwicklungsdynamik ist sehr hoch, Entwicklungsverzögerungen werden schnell gravierender.
- Durch Lernen, Anregung, Erfahrung aus der Umwelt bildet das Gehirn Synapsen. Die Synapsen bilden sich im kindlichen Gehirn am schnellsten.
- Problematische Verhaltensweisen haben sich noch nicht verfestigt, z. B. Verhaltensstörungen.
Weitere Artikel in der Kategorie Grundlagen der Heilpädagogik
- Diagnostikverfahren in der Heilpädagogik
- Entwicklungstabelle nach Beller und Beller
- Diagnostik mit Pfiffigunde
- Die heilpädagogische Anamnese
- Die Unterscheidung zwischen Heilpädagogik und Pädagogik
- Rechtliche Rahmenbedingungen der heilpädagogischen Arbeit
- Die Themen der Kinder verstehen lernen
- Geistige Behinderung - Normtheorien nach Speck und Goffman
- Heilpädagogisches Handeln und Methoden
- Umgang mit Behinderung


