Gleichgewichtssinn - vestibuläre Wahrnehmung

Gleichgewichtssinn - vestibuläre Wahrnehmung

In diesem Artikel erhalten Sie einen Überblick über die Funktion und die Bedeutung des Gleichgewichtssinns bzw. Vestibulärapparats. Außerdem werden Störungen des Gleichgewichtssinnes und Fördermöglichkeiten thematisiert.

Funktion des Vestibulärapparats

Eine Gleichgewichtsstörung ist eine typische Ursache, wenn Kinder ungern schaukeln oder schlecht die Balance halten können. Doch vorab ist erst einmal zu klären, welche Aufgabe der Gleichgewichtssinn bzw. "Vestibularapparat" hat. Die vestibuläre Wahrnehmung dient der Gleichgewichtsregulation. Auch um eine Orientierung im Raum zu haben, benötigt man den Gleichgewichtssinn. Man muss die Balance halten können und wissen, wo oben und unten, rechts und links, vorne und hinten ist.

Der Vestibulärapparat ist für die Aufrechterhaltung des Körpers und für die Raumorientierung verantwortlich. Die Vorhofsäckchen des Innenohrs stellen die wichtige Funktion der Raum-Lage-Orientierung bereit. Steht ein Kind z. B. auf einem Bein, so benutzt es die Arme zur Ausgleichsbewegung, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren. Eine weitere Aufgabe des Verstibulärapparats ist die Wahrnehmung von Drehbewegungen und Beschleunigungen des eigenen Körpers. Für diese Aufgabe ist das Innenohr mit den 3 Bogengängen sehr wichtig. Die Bogengänge vermitteln das Gefühl für die Beschleunigung. Sehr eng ist der Vestiubulärapparat aber auch mit dem Sehnerv, mit der Muskulatur und mit Nervenbahnen verbunden. Der Vestibularapparat steuert die Reaktionen auf verschiedene Bewegungsreize.

Störungen des Gleichgewichtssinns und Fördermöglichkeiten

Kinder reagieren ganz verschieden auf vestibuläre Reize. Bei einer heilpädagogischen Förderung des Vestibulärapparates ist daher auf die Reaktion des Kindes zu achten. Auffällig wäre es beispielsweise, wenn ein Kind Schwierigkeiten hat, Balance zu halten oder wenn es Geschwindigkeiten nicht richtig abschätzen kann. Generell ist zu berücksichtigen, dass es unterempfindliche und überempfindliche Kinder gegenüber vestibulären Reizen gibt. Bei einer Überempfindlichkeit des Vestibulärapparates vermeidet ein Kind Bewegungen, die das Gleichgewicht stimulieren. Fördermöglichkeiten für diese Kinder können beispielsweise Schaukeln, Klettern und Balancieren sein. Die Heilpädagogin sollte dabei natürlich auf die Grenzen des Kindes achten und Ängsten sehr vorsichtig begegnen. Es ist wichtig, bei den Übungen dem Kind Sicherheit zu geben. Dann traut es sich nach und nach mehr zu.

Bei unterempfindlichen Kindern ist besonders zu beachten, dass diese sich schnell verletzen können. Meist erkennen betroffene Kinder Gefahren zu spät. Daher sind hier besondere Sicherheisvorkehrungen angebracht.

"Komm da runter, das ist viel zu gefährlich!" - Eltern, die ihrem Kind kaum Möglichkeiten zum Klettern, Schaukeln oder Balancieren geben, behindern den natürlichen Bewegungsdrang des Kindes. Dies kann zur Folge haben, dass derart betroffene Kinder ihren Gleichgewichtssinn nur ungenügend stimulieren und entwickeln können. Darf es dann doch einmal klettern, übertreibt es schnell und fällt herunter. Die Eltern fühlen sich darauf hin oft bestätigt in ihrer Ansicht, dass "Herumtollen" zu gefährlich sei.

Mehr Fördermöglichkeiten für den Gleichgewichtssinn finden Sie auf der Seite "Gleichgewichtssinn stimulieren (Vestibuläre Wahrnehmung)".

Über die Autorin/den Autor
Diana Saft ist staatlich anerkannte Heilpädagogin und Heilerziehungspflegerin. Sie sammelte bisher Erfahrungen in einem Seniorenheim, in einem Wohnheim für Menschen mit Behinderungen, in einem integrativen Kindergarten und in einem deutschen Kindergarten in den USA.

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